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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 12. Juni 2020 07:02

Bolzano hatte also ein sehr seltenes Talent, er konnte Barks perfekt, aber seelenlos kopieren. Vergleichbar mit einem Papagei oder mit Wolfgang Beltracchi. Ob mit technischen Hilfsmitteln oder ohne wissen wir nicht. Ein Kindheitsfreund von mir, der Werner, konnte mit den Ohren wackeln. "Faszinierend!" würde da ein anderer Besitzer von ungewöhnlichen Ohren sagen.

Ich brauche da aber keine 716 Beispiele, ich würde gerne wissen, WIE er das gemacht hat. Das wäre viel interessanter.

Grunz!
Beppo

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 14. Juni 2020 08:28

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Beppo
Bottaro hatte also ein sehr seltenes Talent, er konnte Barks perfekt, aber seelenlos kopieren.

Von einem "seltenen Talent" würde ich hier überhaupt nicht sprechen. Es gibt auch viele andere Zeichner wie Pier Lorenzo de Vita, Massimo de Vita, Bramsen, Sørensen, Vicar, Tello oder Bancells, die sehr intensiv vom Stilmittel des Kopierens Gebrauch gemacht haben.

Quote
Beppo
Ich brauche da aber keine 716 Beispiele, ich würde gerne wissen, WIE er das gemacht hat. Das wäre viel interessanter.

Das ist dann aber ein Sonderinteresse von Dir! Die meisten hier auf diesem Forum sind wohl zu Comicfans geworden, weil sie Freude am Betrachten von bunten Bildchen hatten (und haben). Wer Disney-Comics liest, interessiert sich doch für die Inhalte und weniger für produktionstechnische Details ...

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Zurück zu Bottaro:
Wie bei allen Zeichnern zu beobachten, hatte auch er seinen Zeichenstil im Laufe der Jahre stark verändert. In den frühen 60er Jahren, aus denen die bisherigen Beispiele stammen, hat er sich sehr dem Durchpaus-Stil verschrieben, fast wie ein "Schatten" von Barks.
Zehn Jahre später hat er sich von diesem Abpaus-Stil deutlich gelöst. Seine Zeichnungen tragen seinen "eigenen" Stempel, ohne jedoch die Affinität zu Barks verleugnen zu können.

Hier ein Beispiel von 1971: "Der verstockte Junggeselle" (DDT 93).
Ich beschränke mich auf die ersten beiden Seiten. Auch hier sieht man wieder, daß er immerzu die gleichen Barks-Posen gebetsmühlenartig wiederholt. Die Barks-Bilder sind aus den anderen Analysen wohlbekannt - daher schenke ich mir diesmal die Quellenangaben.




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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: duck313fuchs ()
Datum: 14. Juni 2020 10:11

Na ja, die "Kopien" sind doch sehr verändert, dass man wohl nicht mehr von Kopien sprechen kann.
Meist ist die Stellung der Pupille veränderrt, Dagoberts Backenbart weist eine andere Form auf. Es gibt Änderungen an den Nasenlöchern, wenn diese nicht ganz fehlen, die Zungen haben teilweise andere Formen.
Der Schnabel von Dagobert im Bild 3 ist verkürzt, wodurch sich auch der Sitz des Zwickers verändert, und die Zunge fehlt. Auch im letzten Bild zeigt Dagobert zusätzlich zur Änderung der Pupillen völlig unterschiedliche Zähne...

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 15. Juni 2020 06:09

> Es gibt auch viele andere Zeichner wie Pier Lorenzo de Vita, Massimo de Vita, Bramsen, Sørensen, Vicar, Tello oder Bancells, die sehr intensiv vom Stilmittel des Kopierens Gebrauch gemacht haben.

Ich spekuliere schon wieder. Könnte es sein, dass die die Kopiererei vom Verlag gewollt war? Ich stelle mir so einen mächtigen Signore Sgraffitto in Mailand vor, der der Obermotz von allen Zeichnern ist. Er will, dass alles aussieht wie Barks. Wenn sich ein junges Talent bewirbt, lässt er es erst einmal als Test eine Seite Barks abzeichnen.

Im Gegensatz dazu hatten die Amis bei Dell eine andere Kultur. Sie haben die Barksähnlichkeit nicht so wichtig genommen. Einen Tony Strobl konnte man auch mit Androhung von Prügeln nicht dazu bringen, den Barks nachzuahmen.

Gibt es bei deinen Kopisten räumliche und zeitliche Cluster? So wie die niederländischen Maler oder die deutschen Barockkomponisten?

Grunz!
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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 18. Juni 2020 10:13

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Beppo
Könnte es sein, dass die die Kopiererei vom Verlag gewollt war? Ich stelle mir so einen mächtigen Signore Sgraffitto in Mailand vor, der der Obermotz von allen Zeichnern ist. Er will, dass alles aussieht wie Barks.

Es war durchaus so, daß der Barks-Stil, zumindest für bestimmte Geschichten, vorgegeben war. Und es gab wohl temporär so etwas wie allgemeine Richtlinien, wie der Zeichenstil auszusehen hatte. So gab es in den 50er Jahren (in Italien) die Vorgabe, daß die Ducks im Taliaferro-Stil gezeichnet sein sollten. In der Geschichte "Donald als Löwenbändiger" (LTB 55) von Bottaro etwa ist der Taliaferro-Stil deutlich zu bemerken. Und auch in "Die Insel der Piraten" (LTB 365) sind Bottaros Zeichnungen eine Mischung aus Barks und Taliaferro.


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Beppo
Im Gegensatz dazu hatten die Amis bei Dell eine andere Kultur. Sie haben die Barksähnlichkeit nicht so wichtig genommen. Einen Tony Strobl konnte man auch mit Androhung von Prügeln nicht dazu bringen, den Barks nachzuahmen.

Stimmt nicht ganz! Sogar bei Strobl lassen sich gelegentlich Barks-Kopien finden, insbesondere wenn es um Gundel Gaukeley geht ...


Quote
Beppo
Gibt es bei deinen Kopisten räumliche und zeitliche Cluster? So wie die niederländischen Maler oder die deutschen Barockkomponisten?

Ich denke, das kann man so nicht sagen. Das Kopieren war hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren eine gängige Methode. Und manche Zeichner, die mit dem Kopieren groß geworden sind (wie z.B. Vicar) haben dieses Stilmittel bis zum Schluß angewandt. Im Neuen Jahrtausend hat das Kopieren deutlich nachgelassen, vermutlich auch wegen des zunehmenden Einsatzes von Computern.

Im Endeffekt entscheidet heute aber wohl eher der einzelne Zeichner, ob er kopiert. Aktuelle Zeichner wie Ferioli setzen immer wieder Barks'sche Elemente in ihren Zeichnungen ein. Und in den Taschenbüchern hat sich längst der Cavazzano-Stil etabliert. Nur ganz selten findet man dort noch Kopien nach Barks. Hier ein solches Beispiel aus der Geschichte "Duckoraptor auf der Flucht" (LTB 370) von Mancuso, entstanden 2006. Dies sind keine Abpausungen mehr, wie bei Bottaro, sondern ziemlich freie Adaptionen, denen man den Barks-Ursprung aber deutlich anmerkt:


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 18. Juni 2020 13:48

Es gibt ja zwei Arten des Barks-Kopierens:

2D Man zeichnet einen Teil eines Barks-Panels eins zu eins ab.

3D Man zeichnet eine Standardfigur so, wie sie Barks gezeichnet hätte, aus irgendeiner Richtung.

Welche Zeichner beherrsch(t)en 3D? So jemand wie Han van Meegeren hätte vermutlich Barks -- zumindest zeichnungenmäßig -- perfekt kopieren können.

Die Porzellanfiguren, die es mal gab



sehe ich auch als eine fast perfekte 3D-Kopie.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 18. Juni 2020 16:24

Don Rosa war zu Beginn seiner Laufbahn als Duck-Zeichner auch ein mächtiger Barks-Kopist. In seinem Erstling Der Sohn der Sonne von 1987 sind praktisch jede Pose, jeder Gesichtsausdruck aus einem Barks-Bericht übernommen. Das ist bekannt, und das Barks-Kopistentum des Anfängers Rosa ist durchaus als Hommage eines Fans an den Meister zu verstehen.

Ich nehme an, die Vorlagen hatten bei Rosa in der Regel auch nicht genau die gleiche Größe wie seine Zeichnungen. Rosa weilt ja noch unter uns, vielleicht mag einer an ihn herantreten und den Menschen fragen, wie er das gemacht hat. Wobei ich Rosa zutraue, daß er nicht einfach mit irgendwelchen Zauberkunststückchen am Leuchttisch "abgepaust" hat, sondern jede "Kopie" durch mühevolles Abzeichnen mit Schweiß, Blut und Tränen erkauft ist.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 19. Juni 2020 05:37

> Don Rosa war zu Beginn seiner Laufbahn als Duck-Zeichner auch ein mächtiger Barks-Kopist.

Der gute Keno kann überhaupt nicht kopieren. Er hat auf Ingeniör studiert und zeichnet mit einem Tuschefüller oder das sieht zumindest so aus. Er ist ein Blaupauser und kein Zeichner.

Den Barksstrich kriegt er nicht hin. Eine Rosa-Zeichnung erkenne ich ohne Zwicker und mit drei Promille sofort. Da würde ich nicht von Kopist reden.

Wenn das Münstermännchen eine Kathedrale aus Münzen baut, dann ist das zwar nett anzusehen, aber keine Kopie.

Grunz!
Beppo

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 19. Juni 2020 16:01

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Beppo
Den Barksstrich kriegt er nicht hin. Eine Rosa-Zeichnung erkenne ich ohne Zwicker und mit drei Promille sofort. Da würde ich nicht von Kopist reden.

Auch eine von Bottaro übernommene – "kopierte", "durchgepauste" – Barks-Pose erkennt man drei Meilen gegen den Wind als Nichtbarks. Bottaro und der frühe Rosa waren Brüder im Geiste in ihrem Tun: Sie übernahmen Figuren, Posen, Mienen von Barks. Daß ein Rosa dann trotzdem ausschaut wie ein Rosa und ein Bottaro wie Bottaro, ist keine Überraschung.

So gesehen sind natürlich weder Bottaro noch Rosa als Barks-"Kopisten" anzusehen in dem Sinne, wie ein Kunstfälscher die Stile der alten Meister zu kopieren trachtet, um den Leuten einen falschen Van Eyck als echten unterzujubeln. Bottaro wie Rosa übernahmen beide Barksens vollendete Figuren-Posen "eins zu eins", aber beide konnten auch ihren individuellen, nichtbarksischen Zeichenstil nicht verleugnen, wollten ihn wohl auch nicht verleugnen.

Wie gesagt: Bottaro und Rose waren Brüder im Geiste in ihrem Tun. Ob sie dabei technisch gleich vorgingen, weiß ich nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn gerade bei seinem Herz-und-Blut-Erstling der "Fan" Rosa viel länger und verbissener an seinen "Kopien" gearbeitet hat als der routinierte Mondadori-Beamte Bottaro. Und wenn Rosa seinem Ingenieursaffen Zucker gab und zu Zirkel oder Schablone griff, wo immer ein von Barks freihändig-locker zu Papier gezaubertes Kreislein oder Ellipslein gezeichnet werden wollte, ist das eben die besondere Rosa-Duftnote. Bottaro hat für seine Barks-"Kopien" sicherlich auch nicht die genau gleiche Tuschefeder verwendet wie Barks – den berühmten Esterbrook Pen 356 –, sondern die Dinger halt gezeichnet, wie er sonst seine Sachen zeichnete.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 21. Juni 2020 09:54

Wer sich übrigens die "orientalischen" Geschichten von Bottaro anschaut, wie z.B. "Donald Baba" (LTB 16) oder "Donald hoch zu Roß" (LTB 23), wird feststellen, daß auch dort immerzu die gleichen Posen vorkommen, wie ich sie bereits in den vorangegangenen Analysen vorgestellt habe.

Kommen wir zu einem anderen italienischen Kopisten: Luciano Capitanio, einem Zeichner aus den 60er Jahren, dessen Geschichten auch in Deutschland vielfach abgedruckt wurden.

Im Gegensatz zu Bottaro hat er sich nicht nur auf Barks fokussiert, sondern auch von anderen Zeichnern abkopiert. Im folgenden Beispiel - (Bank-)Krach im Hause Duck (LTB 86) - etwa stammen seine Düsentrieb-Kopien allesamt von Carpi. Außerdem gibt es bei ihm keine Spiegelungen; alle Kopien besitzen die gleiche Ausrichtung wie die Vorlagen.

(Bank-)Krach im Hause Duck 1
(Bank-)Krach im Hause Duck 2
(Bank-)Krach im Hause Duck 3
(Bank-)Krach im Hause Duck 4
(Bank-)Krach im Hause Duck 5
(Bank-)Krach im Hause Duck 6
(Bank-)Krach im Hause Duck 7
(Bank-)Krach im Hause Duck 8
(Bank-)Krach im Hause Duck 9
(Bank-)Krach im Hause Duck 10
(Bank-)Krach im Hause Duck 11
(Bank-)Krach im Hause Duck 12
(Bank-)Krach im Hause Duck 13
(Bank-)Krach im Hause Duck 14
(Bank-)Krach im Hause Duck 15
(Bank-)Krach im Hause Duck 16
(Bank-)Krach im Hause Duck 17
(Bank-)Krach im Hause Duck 18
(Bank-)Krach im Hause Duck 19
(Bank-)Krach im Hause Duck 20
(Bank-)Krach im Hause Duck 21
(Bank-)Krach im Hause Duck 22
(Bank-)Krach im Hause Duck 23
(Bank-)Krach im Hause Duck 24
(Bank-)Krach im Hause Duck 25
(Bank-)Krach im Hause Duck 26
(Bank-)Krach im Hause Duck 27
(Bank-)Krach im Hause Duck 28
(Bank-)Krach im Hause Duck 29
(Bank-)Krach im Hause Duck 30
(Bank-)Krach im Hause Duck 31
(Bank-)Krach im Hause Duck 32
(Bank-)Krach im Hause Duck 33
(Bank-)Krach im Hause Duck Anhang-1
(Bank-)Krach im Hause Duck Anhang-2

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