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Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 10. Juli 2023 14:10

Schon der olle Hegel wußte: Schlüpft wo eine These aus dem Ei, dauert's nicht lang, bis ihr die Antithese ins Gesicht knallt. Der Knall gebiert die Synthese, die sich ihres Daseins freut, bis ihr, zur These gefroren, die nächste Antithese ins Gesicht knallt. So war's seit Anbeginn der Dinge, so wird's sein bis zu ihrer aller Ende.

Preist die Welt tausendmal die Fuchs, es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer um die Ecke kommt und die Fuchs schilt. Nun war's soweit. Einige hier haben es schon mitbekommen: Die derzeit erhältliche Ausgabe der Comicfachzeitschrift Alfonz (3/2023) mit Schwerpunkt "100 Jahre Disney" enthält einen dichtgeschriebenen Vierseiter des nicht ganz fachunkundigen Alexander Braun (Ente süß sauer. Carl Barks und die Folgen) mit dem Titel: "Dr. Erika Fuchs, Übersetzerin: mangelhaft".

Der Titel verrät schon, in welche Richtung es geht.

Fuchskrittelei ist nun nichts Neues, und der Fuchskrittler sind wohl mehr, als sich Otto Normalfuchspreiser träumen läßt. Auf dem Comicforum etwa findet sich dieser Faden, in dem einige gehörig an Fuchs rütteln und kritteln: [www.comicforum.de] Als (gut den Degen führender) Fuchskrittler zeigt sich immer wieder der Don-Rosa-Herausgeber und -Übersetzer Jano Rohleder. Ein weiterer Fuchskrittler ist zum Beispiel Carsten Laqua, zumindest schreibt er auf seiner Netzseite zur Carl Barks Library von Another Rainbow: "Dieses ist die wohl schönste Gesamtausgabe eines Comicwerkes. – Barks ist hier unverfälscht, weder durch bunte Farben noch durch Erika Fuchs' eigenwillige Übersetzung …" [galerielaqua.de] (siehe "Literatur")

Eine so "mutige" und ins Einzelne gehende Fuchsschelte wie bei Alexander Braun ist mir aber wahrscheinlich noch nicht untergekommen. Und ich sag': Ich find's erfrischend, daß er sich das "traut" und Alfonz es druckt. Die tausenderste Fuchspreisung-Nacherzählung hätte ich lächelnd abgenickt, drauf einmal gegähnt und dann die Welt sich weiterdrehen lassen. Aber jetzt knallt uns Fuchspreisern mal ordentlich eine Antithese ins Gesicht, und im besten Fall ist Brauns Fuchsschelte Ausgang einer fruchtbaren Erörterung. Übrigens kriegen bei Braun auch die Donaldisten gehörig ihr Fett weg.

Merkewohl 1: Mir ist völlig klar, daß vom innerdonaldistischen Standpunkt Fuchsschelte (wie auch Fuchspreisung) gegenstandslos ist, da die Fuchs nur wiedergibt, was die Entenhausener reden, und das mag man gut finden oder doof, aber die Fuchs ist's nicht gewesen. Man muß hier schon in den Ring des äußeren Donaldismus hinaustreten und mit der Vorstellung arbeiten, die Fuchs sei Übersetzerin und Sprachschöpferin.

Merkewohl 2: Aus urheberrechtlichen Gründen ist es mir verwehrt, hier Brauns Fuchsschelte zu aller Kenntnisnahme darzureichen, und gewiß mag nicht jeder 8 Taler 95 abdrücken, nur um diese vier Seiten zu lesen. Mindestens zwei andere Donaldisten (m/w) außer mir haben die Schelte aber schon gelesen, so daß die Aussprache beginnen kann. Wenn ich Zeit habe, werde ich irgendwann in den kommenden Tagen einige Kostproben aus dem Text reichen, zitteln ist ja noch erlaubt.



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.07.23 17:48.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Lord Pumpernickel ()
Datum: 10. Juli 2023 16:17

Siehe auch (bzw. höre auch) "Söhne der Unvernunft Folge 47 - Fuchs im Meinungsstreit" vom 30. Juni z.B. bei Spotify.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 10. Juli 2023 16:55

Wilhelm Gundert hat das Bi-Yän-Lu übersetzt, hat dabei mit jedem Wort gekämpft und ist darüber vor der Vollendung gestorben.

Erika Fuchs hat ihre Barks-Übersetzungen (wenn man sie überhaupt so nennen darf) in allwöchentlicher Arbeit hingerotzt.

Was in beiden Fällen allein zählt, ist das Ergebnis. Gundert war gut, Fuchs war gut, aber mit den gleichen Maßstäben sollte man sie nicht messen.

Grunz!
Beppo

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 10. Juli 2023 21:43

Der Artikel von Alexander Braun sollte unter Donaldisten diskutiert werden. Polemisch und einseitig wie er ist, bringt er Argumente, die nicht von der Hand zu weisen sind. Vom Donaldismus versteht der Autor natürlich gar nichts. Was auch nicht zu erwarten ist von jemandem, der sich offensichtlich nie mit Wissenschaftlichem Donaldismus im Gegensatz zum Äußeren Donaldismus (Comic-Forschung) auseinandergesetzt hat. Macht nix. Es geht hier um Fuchs.

Was ich hier sage, gehört zum Äußeren Donaldismus. Ich denke, es ist an der Zeit, sich von einer unkritischen Fuchs-Verehrung zu verabschieden und ihre Übersetzungsleistung kritisch zu sehen - aber bitte nicht mit einem naivem Verständnis, was "Übersetzung" ist oder sein soll, sondern unter Berücksichtigung aller Aspekte, die zur Übersetzungskritik gehören. Die hat seit Jahrzehnten einen soliden wissenschaftlichen und theoretischen Unterbau. Den kennen aber nur Übersetzer:innen und Übersetzungswissenschaftler:innen, deshalb wird er konsequent ignoriert. Jedermann und jedefrau glaubt zu wissen, was eine gute Übersetzung ausmacht. So auch Alexander Braun in seinem Artikel.

Aber so einfach ist das nicht. Es ist alles viel komplizierter. Eine Beurteilung aus heutiger Sicht mit heutigen Werten passt grundsätzlich nicht für eine Arbeit aus einer ganz anderen Zeit mit anderen historischen und sprachlichen Voraussetzungen. Wobei Braun für seinen Verriss mit der Story aus dem Land der Zwergindianer geschickt eine der schwachen Fuchs-Übersetzungen herangezogen hat.

Was mir wichtig ist: Erika Fuchs ist eine Ikone des Donaldismus. Innerdonaldistisch gesehen ist sie eine Quelle nie versagenden Vergnügens. Außerdonaldistisch gesehen ist sie eine sehr gute Übersetzerin, die in ihrer Zeit eine immense Wirkung hatte. Nicht zuletzt daraus abzulesent, dass die D.O.N.A.L.D. heute mehr als 1000 Mitglieder hat. Ihre übersetzerische Leistung aus nicht-donaldistischer Sicht zu beurteilen ist ganz etwas anderes. Aber das sollten nur Leute tun, die sich ein wenig auskennen.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 11. Juli 2023 05:38

> Übersetzungswissenschaftler:innen

Du darfst mir gerne von der Übersetzerinnenwissenschaft oder von der Assyrologie erzählen und ich höre dir auch ehrfürchtig zu. Tolle Sachen das.

Aber: Das ist meine Erika Fuchs und mit der kann ich machen, was ich will. In welche Kategorie ich sie für mich einordne (Medium, Übersetzende, ...), bestimme ich.

Leute, die mir vorschreiben wollen, dass schwarze Schokolade "besser" ist als Milchschokolade, die können mich kreuzweise.

Grunz!
Beppo

Ein Kojote ist und bleibt ein Hühnerdieb!

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
Datum: 11. Juli 2023 07:12

Entschuldigt die Einlassung, aber (ganz abgesehen von donaldistischen Aspekten…):

Fuchs hat NICHT übersetzt. Fuchs hat ÜBERTRAGEN. Das ist was anderes.

Analogie: Martin Buber hat das Alte Testament (also die Teile aus der jüdischen Tradition, sprich Tora, Nabiim und Ketubim) verdeutscht. Luther
oder die Pfuscher, die die NEUE Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift erledigt haben, die haben übersetzt. Der Unterschied erschließt sich, wenn man Gen 1 in den drei Varianten nebeneinander liest.

Ich glaube, das ist das grundsätzliche Missverständnis.

------------------------
Frieden für die Ukraine!

Grkztrrrschwrzkajaaaa!

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: ju313 ()
Datum: 11. Juli 2023 12:12

Ich gebe Frl. Tuschel in allen Punkten recht.

Die Kritik des Autors mag in großen Teilen angebracht sein, aber dass Erika Fuchs nicht wörtlich übersetzt hat, ist keine neue Erkenntnis und hat ihren eigenen Reiz.

Der Autor macht sich lächerlich, indem er eine Neuübersetzung vom Barksschen Werk fordert. Wenn ich mal annehme, dass der Übersetzer pro Tag 3 Seiten abarbeitet (Überlegung und Reflektion muss schon sein), dann benötigt er rund 2200 Tage oder 6 Jahre ohne Unterbrechung. Die Kosten dafür würden sich niemals rechnen - unabhängig von der Akzeptanz. Wie viele würden eine neue Gesamtausgabe kaufen? Von denjenigen, die mit Fuchs aufgewachsen sind, nicht viele und "Neueinsteiger" nehmen tendenziell zahlenmäßig ab.

Die kritisierte Bezeichnung "Zwergindianer" statt "Pygmäen" halte ich übrigens für gelungen. Die Wesen haben eindeutig Indianerfedern.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 11. Juli 2023 15:03

Quote
Ostsibirischer Korjakenknacker
Fuchs hat NICHT übersetzt. Fuchs hat ÜBERTRAGEN. Das ist was anderes. ...
Ich glaube, das ist das grundsätzliche Missverständnis.

Ich glaube, dass Missverständnis liegt eher in der Annahme, es gäbe einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Übersetzung und Übertragung. Natürlich gibt es bei Übersetzungen weit auseinanderliegende Ergebnisse je nach Absicht, nach Zeitumständen, nach Ausgangs- und Zielkultur, nach Zielpublikum etc etc, aber es gibt keine scharfe Abgrenzung zwischen "Übersetzung" und "Übertragung". Die Unterschiede sind graduell. Man könnte die fuchsischen Übersetzungen auch "Transkreation" nennen. Klingt gelehrt, hilft aber nicht viel weiter bei der Beurteilung ihrer Arbeit.

Der Artikel von Alexander Braun bringt m.E. bedenkenswerte Aspekte, vor allem die Frage, ob Erika Fuchs nicht manches Mal unnötig frei übersetzt hat, wo der Barks-Text sich gut hätte ins Deutsche bringen lassen, ohne dass von der Aussage wie auch vom Witz des Originals etwas verlorengegangen wäre. Speziell bei "Land of the Pygmy Indians" frage ich mich, warum sie auf jegliche historische und literarische Anspielung auf Hiawatha und Longfellow verzichtet hat. Nicht erkannt? Oder meinte sie, das würde in Deutschland in den 1950ern niemand kennen?

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 11. Juli 2023 15:40

Auf Brauns Ausführungen zu Nam' und Art der Zwergindianer will ich näher eingehen.

Braun schilt Fuchs für den Namen "Zwergindianer". Im Urbarks falle die Bezeichnung "Pygmy Indians" nur im Titel und einmal aus dem Munde Onkel Dagoberts als "Hilfsterminus", als die Familie Duck die Zwergindianer das erste Mal zu Gesicht bekommt "und es somit noch nicht besser weiß". Sobald die Ducks aber erfahren, wie der Stamm sich selber nennt – "Peeweegahs" –, heißen auch die Ducks ihn nur noch mit diesem Namen. Bei Fuchs dagegen, stöhnt Braun, bezeichnen sich die kleinwüchsigen Ureinwohner sogar selber als "Zwergindianer"!

Ich muß gestehen, daß sich die Zwergindianer selbst Zwergindianer nennen, habe ich auch immer etwas seltsam gefunden. Und nun muß ich, ich kann nicht anders, sogleich in den Kern des inneren Donaldismus zurücktreten. Janusköpfiger Donaldismus, der du auf das Deine mit einem Gesicht von außen und einem Gesicht von innen zugleich blickst! Noch seltsamer ist nämlich, daß die Zwergindianer Deutsch reden! Die Ducks verstehen sie, und sie verstehen die Ducks. Und bei Barks ist's nicht anders: Die "Peeweegahs" reden Englisch!

Wenn die eh Deutsch reden (warum auch immer), ist es allerdings nur noch ein Klacks, daß sie sich selber Zwergindianer nennen. Wahrscheinlich kennen auch die Zwergindianer andere, höhergewachsene Indianervölker. Somit die Eigenbezeichnung als "Zwerge". Vielleicht war "Zwergindianer" im Ursprung eine Fremdbezeichnung (von Weißen), die sie erst mit der Zeit als Eigenbezeichnung übernommen haben. Daß Onkel Dagobert sie beim ersten Anblick gleich so nennt, noch ohne ihre Eigenbezeichnung zu kennen – Treffer ins Schwarze.

Auch im Herrn der Ringe nennen sich die Zwerge selber Zwerge. Wobei in Mittelerde weder Deutsch noch Englisch geredet wird, sondern Westron, und die Zwerge haben dort ihre eigene Sprache und bezeichnen sich selber als "Khazâd". Die Zwerge reden aber auch Westron, und wenn das ins Deutsche und Englische übertragen wird, ist "Zwerge" der "richtige" und nicht abwertende Name, den auch die Zwerge selber gebrauchen. Zwerg und stolz drauf!

Braun sagt nun: "Warum ausgerechnet Erika Fuchs […] Barks' Begriff der 'Pygmäen' in 'Zwerge' verwandeln muß, erstaunt. Das Wort Pygmäe als Synonym für kleinwüchsige Volksgruppen geht nämlich auf die griechische Antike zurück (u. a. bei Homer und Ovid zu finden) und wird hier von Barks völlig richtig (und keinesfalls rassistisch) verwendet. Dagegen sind Zwerge Phantasiewesen aus dem Märchenreich. Barks' Indianerstamm hier ist aber nicht Fantasy, sondern lediglich von kleinem Wuchs."

Da muß ich – schon wieder im Ring des äußeren Donaldismus stehend – reingrätschen. Man kann nicht sagen, daß die Fuchs die "Zwerge" unmittelbar aus Sage und Märchen übernommen habe. Bekanntlich bezeichnet man damit seit unvordenklichen Zeiten auch wirkliche kleinwüchsige Menschen, besser gesagt: Man bezeichnete sie so, denn heute mag man's ja nicht mehr tun. Und nicht nur kleinwüchsige Einzelmenschen nannte man so, nein, die deutschsprachige Völkerkunde früherer Tage bezeichnete kleinwüchsige Volksgruppen als "Zwergvölker". Siehe etwa Meyers Konversations-Lexikon, 1888, oder Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1905, oder etwa diesen Vortrag eines Gelehrten von 1894 oder diesen von 1882.

Gewiß, so sagt man heut wohl nicht mehr, aber bis weit ins 20. Jahrhundert tat man's eben, und Fuchsens "Zwergindianer" passen da gut hinein. Man mag von der Bezeichnung halten, was man will, aber wenn in der früheren wissenschaftlichen Völkerkunde in Deutschland die Rede von "Zwergvölkern" festgefügt war, kann man wirklich nicht behaupten, die Fuchs habe den kleinwüchsigen Indianern mit "Zwergindianer" einen Märchennamen übergestülpt.

Ich weiß auch nicht, wieso Braun "Pygmäen" so viel besser als "Zwerge" findet. Wikipedia: "'Pygmäen' ist die Eindeutschung des lateinischen Namens pygmaei, der in der Antike aus der altgriechischen Sprache ins Lateinische übernommen wurde. Das altgriechische Wort πυγμαῖος pygmaíos bedeutet 'Fäustling', 'von der Größe einer Faust'; es ist von pygmḗ ('Faust') abgeleitet. In der Antike, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit verwendete man den Namen zur Bezeichnung von mythischen Fabelvölkern, die angeblich in Afrika oder Asien lebten." Man beachte die von mir hervorgehobenen Teile: "Fäustling, von der Größe einer Faust", "mythische Fabelvölker". Was sind Pygmäen im Ursprung anderes als sagenhafte – Zwerge?

Nee, es ist schon würdig und recht, daß die Fuchs "Zwergindianer" setzt statt "Pygmäenindianer". Das letzte ist sprachlich unschön, und mit dem Wort "Pygmäen" kann ein Jungleser womöglich gar nichts anfangen, wogegen jedes Kind weiß, was ein Zwerg ist. Und: Beim englischen "pygmies" mag's anders sein, weil man im Englischen eh viel mehr lateinert und griechelt als im Deutschen, aber im Deutschen nimmt man "Pygmäen" vor allem als "Namen" von kleinwüchsigen Völkern in Mittelafrika, und ihn kleinwüchsigen Indianern in Nordamerika überzustülpen, das wär' eher der Gewöhnung bedürftig.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.07.23 17:56.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
Datum: 11. Juli 2023 17:55

Quote
Theodora Tuschel

Ich glaube, dass Missverständnis liegt eher in der Annahme, es gäbe einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Übersetzung und Übertragung.

Ich kann den Unterschied keinesfalls besser erklären als Martin Buber selbst, der dem ersten Band seiner "Verdeutschung der Schrift" (NB: Nicht "Übersetzung") ein ausführliches Nachwort anfügt, in der er Näheres erklärt.

Siehe: Buber, Martin, Zu einer neuen Verdeutschung der Schrift, in: Die fünf Bücher der Weisung, Stuttgart 1992 (10., verbesserte Auflage der Ausgabe von 1954).

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 11. Juli 2023 18:05

Quote
Ostsibirischer Korjakenknacker
Siehe: Buber, Martin, Zu einer neuen Verdeutschung der Schrift, in: Die fünf Bücher der Weisung, Stuttgart 1992 (10., verbesserte Auflage der Ausgabe von 1954).

Papier ist so was von letztes Jahrtausend. [jochenteuffel.files.wordpress.com]



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.07.23 18:08.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
Datum: 11. Juli 2023 21:04

Quote
Coolwater
Papier ist so was von letztes Jahrtausend.

Und hat Jahrtausende überstanden. Was ist aus 5 1/4 und 3 1/2 Zoll Disketten geworden? Aus VHS-Cassetten? Aus DvDs und USB-Sticks?

Ich hab auch schon die eine oder andere Festplatte entsorgen müssen, weil sie ihren Geist aufgegeben hat.

V.K. em.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 11. Juli 2023 21:40

Jaa, natürlich ... aber es gibt inzwischen modernere Ansätze als Martin Buber. Zu unterscheiden zwischen "Übertragung" und "Übersetzung" ist schön und gut und nicht falsch, reicht aber als Grundlage einer Übersetzungswissenschaft nicht aus. Heute geht es nicht mehr um antike Texte, die für Theologen und Altertumswissenschaftler wichtig sind, sondern um interkulturelle und intermediale Phänomene, zu denen auch Comis gehören mit ihrem ausgesprochen hybriden Charakter von Bild- und Textelementen, grafischen Symbolen und Onomatopöien. Wobei die Fragen, die an eine Übersetzung gestellt werden, letztlich immer die gleichen sind: wie treu, wie treffend, wie missverstanden, wie falsch, wie verständlich in der Zielkultur? Wie gut funktioniert der Transfer von der Ausgangs- zur Zielkultur? Da ist Erika Fuchs schon interessant - und die anderen Fuchs-Übersetzer:innen auch.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 12. Juli 2023 05:33

> aber es gibt inzwischen modernere Ansätze als Martin Buber

Und dann kommt der nächste Paradigmenwechsel.

Deine Übersetzerinnenwissenschaft ist ja vermutlich nicht falsch, Damit kann man sich sicherlich hervorragend habilitieren. Für mein Verhältnis zu Erika Fuchs ist das aber so relevant, wie wenn ein Theologe im Oberseminar über einen tanzenden Derwisch in einer Windhose vorträgt.

Oder noch ein anderes Beispiel: Ein Paradiesvogel ist eine Ansammlung von Eiweißmolekülen. Was wissen die Chemiker aber von Paradiesvögeln?

Garbage in, garbage out.

Grunz!
Beppo

Ein Kojote ist und bleibt ein Hühnerdieb!

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
Datum: 12. Juli 2023 06:21

Quote
Theodora Tuschel
es gibt inzwischen modernere Ansätze als Martin Buber.

Ohne Zweifel. Aber bessere? Hm. Nur als Beispiel:

Im Disput um eine gendergerechte Übersetzung des AT … ist es da angebracht, auf die Textversion eines jüdischen Sprachkundigen mit unglaublichem Hintergrundwissen über die jüdische Kultur, die philosophischen Traditionen und Riten zu setzen, oder auf eine junge (pseudo)katholische Theologin, deren deklariertes Erkenntnisinteresse Genderforschung ist…?

Worauf ich hinauswill: „moderner“ ist nicht automatisch „besser“.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.07.23 06:24.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 12. Juli 2023 18:51

Quote
Ostsibirischer Korjakenknacker
Worauf ich hinauswill: „moderner“ ist nicht automatisch „besser“.

Habe ich auch nicht gesagt. Aber "moderner" heißt oft: neue Ideen, neue Ansätze, neue und weiterführende Gedanken. Da hat sich in der Übersetzungswissenschaft in den letzten zwanzig, dreißig Jahren viel getan.

Im übrigen geht es hier nicht um Bibelübersetzungen und erst recht nicht um Genderforschungsschelte. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Kritik an den Duck-Übersetzungen von Erika Fuchs aus außerdonaldistischer Sicht. Auch wenn die Kritik von Alexander Braun in "Alfonz" 3/2023 unnötig polemisch daherkommt, ist sie doch sachlich ernst zu nehmen. Mit dem Einwand, das sei keine Übersetzung, sondern eine Übertragung, macht man es sich allzu leicht. Dieses Argument greift nicht, weil es das große Spektrum der Übersetzungstechnik und Übersetzungskunst zwischen Google Translate und der höchsten Kunst der Lyrikübersetzung auf lediglich zwei Kategorien runterbricht: "Übersetzung - simpel, wortgetreu, kunstlos" und "Übertragung - anspruchs- und qualitätsvoll". Leider eine verbreitete Ansicht.

Noch viel einfacher ist es natürlich zu sagen: Die Erde ist flach, und dabei bleibt's, und was andere Leute dazu zu sagen haben, ist ohnehin Müll. Ich halte eine differenzierte, neuere übersetzungswissenschaftliche Forschungen berücksichtigende Kritik der Fuchs-Texte für lohnend. Den inneren oder Wissenschaftlichen Donaldismus berührt das nicht, da sind die Fuchs-Texte sakrosankt. Die Auseinandersetzung mit Fuchs I und Fuchs II ist schwierig genug. Aber außerhalb dieses geschlossenen Denkraumes darf man kritische Fragen an den von Erika Fuchs geschaffenen Textkorpus stellen. Ich wünschte mir nur etwas mehr Sachlichkeit und etwas fundiertere Fachkenntnis.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 12. Juli 2023 23:52

Quote
ju313
Wenn ich mal annehme, dass der Übersetzer pro Tag 3 Seiten abarbeitet (Überlegung und Reflektion muss schon sein) …

Nehmen wir an, so ein Übersetzungsbeamter hockt am Tag acht Stunden lang auf seinem Hintern. Das hieße nach Deiner Rechnung, er ist mit einer Barks-Seite mehr als zweieinhalb Stunden lang befaßt. Kommt das der Wirklichkeit nahe? Ich habe keine Erfahrung im Comicübersetzen, drum frag' ich.

Auch wenn die Übersetzung eines Barksberichts mehr Überlegung benötigt als die einer Nullachtfuffzehn-Goofygeschichte – sooo viel ist der Sprechblasentext auf einer Barksseite gewöhnlich nicht, und die Berichte sind im Umfang begrenzt, und die Handlung ist nicht überverwickelt oder gar wirr, wie in manch anderen Werken, so daß man beim Barks keine Zeit damit ver(sch)wenden muß, durchzusteigen, was überhaupt "los ist". Somit könnt' ich mir denken, einer, der eingetaucht ist in seinen Barks, schwimmt doch etwas fixer, wenn er im Barksfluß drin ist.

Beim Comicübersetzen kommt freilich hinzu, daß man die Sprechblasen ausmessen muß, um zu wissen, wieviel Platz man hat (die Schrift ist gewöhnlich auch eine andre als in der Urfassung – die Amis, nicht nur der Barks, scheinen ja nix andres zu kennen als handgeletterte Großbuchstaben, derweil in Deutschland zumindest bei Billigheftchen Großkleinmaschinenschrift noch immer trumpft), und dies ist eine nervige Arbeit, die man am besten nebenbei beim Fernsehen tut – so haben's vor Jahren Ehapa-Übersetzer berichtet. Aber, keine Ahnung, vielleicht schreiben die heut am Bildschirm gleich in die Sprechblasen rein. Irgendwann sollte die "Rationalisierung" ja einziehen …



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.07.23 04:43.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 13. Juli 2023 19:24

Quote
Theodora Tuschel
Speziell bei "Land of the Pygmy Indians" frage ich mich, warum sie auf jegliche historische und literarische Anspielung auf Hiawatha und Longfellow verzichtet hat. Nicht erkannt? Oder meinte sie, das würde in Deutschland in den 1950ern niemand kennen?

Vielleicht auch gar nicht gekannt. Die englische und amerikanische Literatur ist reich, und die Fuchs kannte da gewiß viel, aber nicht alles. Kennerin der englischen und amerikanischen Literatur war sie ja sozusagen nur im Nebenberuf. Davor kam erst mal die – gleichfalls reiche – deutsche Literatur.

Wenn man sich entschließt, Kenner der slowenischen oder färöischen Literatur zu werden, schafft man's vielleicht, alles zu lesen, was groß und bleibend ist. Aber deutsche Literatur plus englisch-amerikanische Literatur und dazu noch einen auf Kunstgeschichte machen – da reicht ein Leben nicht, "alles" mitzunehmen.

Ich hab' mal ein Interview mit Fritz Raddatz gelesen, wo er über seine Kollegen Literaturexperten spöttelte, die immer so täten, als ob sie alles gelesen hätten. Raddatz bekannte sich dann auch zu einigen Werken, die er nicht gelesen hatte. Habe da aber nur Goethes Farbenlehre in Erinnerung.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.07.23 19:29.

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Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: duck313fuchs ()
Datum: 16. Juli 2023 09:26

Dr. Braun verkennt nur, daß es den Donaldisten nicht um die Übersetzung irgendeines Textes geht, sondern neben dem zeichnerischen Werk von Carl Barks allein nur der Fuchs-Text Grundlage des Donaldismus ist, egal ob es sich insoweit um "gute" oder "schlechte" Übersetzungen handelt. Auch vergißt er, daß die Geschichten in der Micky Maus sich überwiegend an Kinder/Jugendliche wenden sollte, denen der amerikanische Zeitgeist der 50ger bis 70ger Jahre und auch die amerikanische Literatur nicht so bis gar nicht geläufig waren. Es ist gerade der Verdienst von Frau Dr. Fuchs, daß sie dem zeichnerischen Werk von Carl Barks eine für die Leser der damaligen Zeit verständliche und nachvollziehbare Grundlage gab.
Soweit er am Text von Frau Dr. Fuchs kritisiert, daß sie die Zwergindianer als "Zwerge" bezeichnete, einem Begriff für Fabelwesen, was im Kontext nicht angemessen wäre, vergißt er, daß es in dem Bericht nur so von Fabelwesen wimmelt. Ich habe hier noch keine sprechende Ente gesehen, auch können sich die Zwergindianer "normal" mit den Tieren ihrer Umwelt unterhalten, was es so auch nicht gibt.
Darüberhinaus wirft er den Donaldisten vor, daß sie Entenhausen als Realität ansehen, wobei es sich nur um Literatur handle. Wenn dem so ist, kann Frau Dr. Fuchs bei Verwendung des Wortes Zwerge kein Vorwurf gemacht werden, da sie ja dann über eine Fabelwelt berichtete.
Dr. Braun zieht seine Kritik aus einem Bericht über Entenhausen und übersieht dabei, daß es auch viele Berichte gibt, in denen der Text von Frau Dr. Fuchs, wenn es um einen Vergleich der Texte ginge, weit überlegen ist.

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Re: Von der Fuchskrittelei zur Fuchsschelte
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 16. Juli 2023 21:30

Archiv für Religionswissenschaft, 1933: [dlibra.bibliotekaelblaska.pl] Der Beitrag von Paul Schebesta, Seite 105 bis 140. Die Suchfunze liefert mir 35 Ergebnisse für "Zwerg". In Schebestas Stück geht's aber nicht um Schneewittchen und die sieben Zipfelmützen, sondern um: "Religiöse Ideen und Kulte der Ituri-Pygmäen (Belgisch-Kongo)". Der Verfasser war nicht wer, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, sondern, Wikipedia, "ein Steyler Missionar, Ethnologe und Erforscher", da kommt's schon, "sogenannter Zwergvölker (Pygmäen, Negritos) Afrikas und Asiens, zu denen er mehrere Forschungsreisen unternahm". [de.wikipedia.org] Man sehe sich auch die Titel seiner Schriften an.

Jeder, der mal älteres völkerkundliches Schrifttum in die Hand genommen hat (und nicht nur in die Hand genommen, sondern gelesen), weiß, daß früher auch gestandene Gelehrte die kleinwüchsigen Völker in Afrika und Asien ohne weiteres als "Zwerge" und "Zwergvölker" bezeichnet haben. Davon abgegangen ist man wohl so langsam erst in der Nachkriegszeit (sechziger, siebziger Jahre). Braun trägt manchen guten Punkt vor, aber beim Vorwurf, Fuchs habe den Zwergindianern einen Märchennamen aufgepfropft, konnte ich nur den Kopf schütteln. Ich will ihm nicht ankreiden, daß ihm das offenbar nicht bewußt war, aber man muß deutlich betonen, daß dieser eine Pfeil (Name aus dem "Märchenreich") ins Leere geschossen ist. Recht hat er dagegen, wenn er die Fuchs dafür rüffelt, daß die Zwergindianer sich selber so nennen. Das ist in der Tat ein bißchen bekloppt, zumal da Barks ihnen ja einen gescheiten Eigennamen verpaßt hat.

Man kann nun sagen, es ist bescheuert, von echten kleinwüchsigen Menschen und ganzen Völkern als Zwergen zu reden, und mag als Fortschritt verbuchen, daß man's heut nicht mehr tut. Aber soll man die Fuchs schelten, weil sie zu ihrer Zeit nicht päpstlicher war als der Papst? Die Frau war Jahrgang 1906, die Zwergindianerübersetzung stammt von 1961. In die völkerkundliche Redeweise ihrer Tage paßt "Zwergindianer" ausgezeichnet hinein. Und wie gesagt: Mit "Pygmäen" meint man im Deutschen nur die Kleinwüchsigen Afrikas, aber nicht die Südasiens ("Negritos"), "Pygmäen" wäre für die "Pygmy Indians" im Deutschen ein Mißgriff gewesen.

Während man kleinwüchsige Menschen oder Völker heute nicht mehr Zwerge nennt, ist das Wort im Tierreich noch gang und gäbe: Zwergelefant, Zwergohreule, Zwergkaninchen, Zwergwal, Zwergflußpferd und, und, und. Und die Sterndlgucker kennen Zwergplaneten und Zwerggalaxien. Da denkt auch niemand an kleine Manschgerln mit langen Bärten und Zipfelmützen.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.07.23 21:32.

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