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Europawahl
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 25. Mai 2024 09:39

Wer keine weiche Birne hat, wählt den harten Donaldisten aus der Römerstadt.

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Beppo

Ein Kojote ist und bleibt ein Hühnerdieb!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.05.24 15:22.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 25. Mai 2024 15:43

Der Erdtteilname "Europa" fällt in den Berichten nach meiner Wahrnehmung selten. Vorgestern bei der Lese des Bottervogelberichts: "Die erste Sendung der neuentdeckten Kartoffel nach Europa!" Ansonsten kommen mir auf die Schnelle nur die "5 Tage Europa unter kundiger Führung" im Venedigbericht in den Sinn. Ach ja, und dann sind noch im Goldhelmbericht die "übrigen Herrscher Europas", unter deren stillschweigender Duldung der Pippin und der Theo den Codex Raptus erlassen haben. Gibt es weitere Europabelege?

Noch seltener ist "Deutschland". Meines Wissens nur in der Fuchs-I-Fassung des Stein-der-Weisen-Berichts. In Fuchs II wurde das Schwäbische draus. Ob nun Deutschland oder Schwabenland: Daß die Ducks auf einem Weltmeerdampfer dorthin reisen, nimmt jeder Vorstellung, das deutschsprachige Entenhausen liege in Deutschland, den Wind aus den Segeln; der Goldhelmbericht, aus dem klar herausgeht, daß Entenhausen in "Amerika" liegt, tut das übrige dazu. "Erika Fuchs hat Entenhausen nach Deutschland verlegt" – das ist so halbgebackenes "Wissen" von donaldistisch bestenfalls angeküßten Zeitungsschmierern.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.05.24 15:56.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 25. Mai 2024 18:26

Ach ja, ein bekannter Donaldist hat vor Jahren mal ein Buch geschrieben mit dem Untertitel: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte. Ich möchte klarstellen, daß ich beim Hinrotzen des vorherigen Beitrags ihn und sein Buch in keiner Weise im Kopf hatte. "Entenhausen nach Deutschland verlegt" schwebte mir vielmehr als Schurnalisten-Gemeinplatz in den üblichen Nullachtfuffzehn-Artikelchen über Fuchs vor Augen.

Wobei ich mich frag', ob der Titel auf ihn selber zurückgeht. Vor Jahren hab' ich im Campus-Verlag zu Frankfurt ein Praktikum gemacht. Eine Verlagstussi der im Verlag tätigen Damen gab uns Praktikantlein eine Unterrichtsstunde, wie so der Lauf vom Manuskript zum gedruckten Buch ist. Sie: Dann und dann stehe im Verlag die Titelfindung an. Drauf ich: "Kommt's nicht auch vor, daß ein Verfasser selbst einen brauchbaren Titel liefert?" Sie wie aus der Pistole geschossen: "Nein! Nie!"

Tät' ich ein Fuchsbuch in die Welt setzen, ich tät' als Titel vielleicht auch die Leimrute auslegen, die Frau habe Entenhausen in Deutschland angesiedelt. Im Buch dann aber gleich Butter bei die Fische: "Der Du das liest, ich hab' Dich genasführt. Entenhausen liegt gar nicht in Deutschland, sondern in Amerika. Seltsam? Aber so steht es geschrieben …"

Ein Titel muß ein Lasso sein, will man eine breitere Leserschaft einfangen. Bloß keine Eingeweihtensprache für Donaldisten.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.05.24 14:45.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 26. Mai 2024 05:36

> Ach ja, ein bekannter Donaldist hat vor Jahren mal ein Buch geschrieben mit dem Untertitel: Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte.

Ich bin irgendwie mit dem Verfasser befreundet, insoweit man mit so einem Haderlump überhaupt befreundet sein kann. Deshalb weiß ich mehr: Den Untertitel hat sich der Verlag selbst ausgedacht. Der Autor hätte ihn verhindern können, aber das hätte ihn viel Nerv gekostet.

Interessant war auch die Gestaltung des Umschlags. Den hat eine Agentur in der Schweiz entworfen. Darauf ist eine Sprechblase zu sehen. Barks-Sprechblasen, besonders die älteren, haben eine typische ästhetische Form. Aber es ist schier unmöglich, das einem unbedarften anonymen Designer per Stille Post zu verklickern.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 26.05.24 06:48.

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Re: Europawahl
geschrieben von: StefanHD ()
Datum: 27. Mai 2024 10:09

Quote
Coolwater
Der Erdtteilname "Europa" fällt in den Berichten nach meiner Wahrnehmung selten. Vorgestern bei der Lese des Bottervogelberichts: "Die erste Sendung der neuentdeckten Kartoffel nach Europa!" Ansonsten kommen mir auf die Schnelle nur die "5 Tage Europa unter kundiger Führung" im Venedigbericht in den Sinn. Ach ja, und dann sind noch im Goldhelmbericht die "übrigen Herrscher Europas", unter deren stillschweigender Duldung der Pippin und der Theo den Codex Raptus erlassen haben. Gibt es weitere Europabelege?

Gut identifiziert, nur in "Kampf der Raketen" sind noch zwei Erwähnungen drin!


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Re: Europawahl
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 27. Mai 2024 10:55

> Noch seltener ist "Deutschland".

Das MM-Heft war von Anfang an ein Produkt für D, CH, A (und das Saarland). Seine Wurzeln hatte es in Skandinavien und im internationalen Konzern Reader's Digest. Vielleicht wollte man sich ganz bewusst nicht nur mit einer Nation identifizieren.

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Re: Europawahl
geschrieben von: paTrick ()
Datum: 27. Mai 2024 11:17

TRANS EUROPE AIR|FC 308/1|Gefährliches Spiel|BL_DO-17-12_07

Die Sache ist die. Im Jahre 807 soll Pippin der Picklige im Einverständnis mit Theodosius dem Trübseligen von Byzanz und unter stillschweigender Duldung der übrigen Potentaten Europas zu Rom folgenden Codex erlassen haben: Jedweder freie Mann, der jenseits des Meeres neues Land entdeckt, soll es zu eigen haben. Folglich war Olaf der Blaue der rechtmäßige Besitzer von Nordamerika und jetzt ist es sein direkter Nachkomme, Herr Bläulich.|FC 408/2|Der goldene Helm|BL_DO-20-11_01

DIE INSEKTEN EUROPAS|US 14/6|Die Glühwürmchen-Leselampe|BL_OD-01-44_01

Die erste Sendung der neuentdeckten Kartoffel nach Europa!|US 16/2|Reise in die Vergangenheit|BL_OD-11-53_06

Der erste Stop ist in Australien. Dann Asien, Afrika, Europa, Südamerika!|WDC 212|Kampf der Raketen|BL_WDC-35-29_06

Ach, nur meine Reisegruppe! Sie müssen wissen, meine drei Neffen und ich gehören zur Reisegruppe 13 ... 5 Tage Europa unter kundiger Führung.|WDC 273|Reisen auf die schnelle Tour|BL_WDC-47-42_07



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.24 11:47.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 27. Mai 2024 18:33

Quote
Beppo
Das MM-Heft war von Anfang an ein Produkt für D, CH, A (und das Saarland). Seine Wurzeln hatte es in Skandinavien und im internationalen Konzern Reader's Digest. Vielleicht wollte man sich ganz bewusst nicht nur mit einer Nation identifizieren.

Das ist sicher richtig. Kinder aus den USA fanden darin ihre eigene Welt wieder. "We’re from the U.S.A." sagen die Neffen im Land der viereckigen Eier. Aber die Geschichten sollten auch in anderen Ländern verkäuflich sein. Deshalb wurde den Übersetzer:innen freie Hand gelassen, die Texte ihrem Lesepublikum anzupassen. Erika Fuchs hat das teilweise getan, andere Übersetzer:innen auch. Der Sørensen-Artikel im DD 166 nennt dazu einige schöne Beispiele.

Wir müssen hier allerdings unterscheiden zwischen Innerem und Äußerem Donaldismus. Im Inneren (wissenschaftlichen) Donaldismus ist die Frage nach der Zuordnung geografischer Namen oder historischer Ereignisse schwierig. Wir wissen ja nicht, ob mit "Europa" der irdische Erdteil Europa gemeint ist oder vielleicht eine geografische Einheit im Anaversum, die dort Europa heißt, aber ganz anders aussieht. Wobei es natürlich die bekannten Parallelen gibt. Uraltes Thema im Donaldismus.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 27. Mai 2024 18:59

Quote
Beppo
Das MM-Heft war von Anfang an ein Produkt für D, CH, A (und das Saarland). Seine Wurzeln hatte es in Skandinavien und im internationalen Konzern Reader's Digest. Vielleicht wollte man sich ganz bewusst nicht nur mit einer Nation identifizieren.

Ich red' mal ganz als Äußrer Donaldist.

In der ersten Fassung des Knoblismusberichts lesen wir auf dem Autobahnschild Frankfurt, Basel, Hamburg. Bonn, Wien. Später hat die Fuchs draus Geflügelstädtenamen gemacht. Im Friedliche-Ferien-Bericht hausbooten die Ducks ursprünglich auf dem Bodensee, Donald stürzt den Rheinfall hinab. Später wurden draus Erpelsee und Gumpenfall.

Wir haben somit in den ersten Jahren, von Anfang bis etwa Mitte der fünfziger Jahre, eine Verortung der Berichte in Deutschland. Die Fuchs hat diese Verortung dann aber zum Teufel fahren lassen. Warum?

Ich vermute, das tat sie weniger aus Rücksicht auf die Österreicher und Schweizer (die ja, siehe die angeführten "echten" Namen, bei dem Spielchen einbezogen waren), sondern aus folgendem Grund: Entenhausen wirkt in seiner ganzen Erscheinung wie eine amerikanische Stadt. Es gibt Hochhäuser und Wolkenkratzer, alles ist neu, vereinzelne alte Bauten sind hundert, höchstens zweihundert Jahre alt. Nun gut, könnte man sagen, damit kommt Entenhausen daher wie manche kriegszerstörte deutsche Großstadt. Aber wir sehen auch um Entenhausen herum keine alten Städtchen und Dörfer wie bei uns, keine Burgen und Kirchtürme schmücken das Land. Dafür hat's in den dünnbesiedelten Entenhausener Landen Wüsten, Goldminen, verlassene Westernstädte, Indianer. Wir sind hier klar im amerikanischen Westen, in Kalifornien.

Ich glaube, es erschien der Fuchs, mit je mehr "Geschichten" (nicht nur Barks und nicht nur Duck) sie sich auseinandersetzte, bald schwierig, die anfängliche Deutschland-Übertragung weiter aufrechtzuerhalten, weil sie sich schnell als unglaubwürdig entpuppte. Zwischen Basel, Hamburg, Frankfurt und Wien leben keine Indianerstämme, sucht man vergeblich nach Western-Geisterstädten mit Mustang-Minen. Und die Fuchs wußte, daß auch jedes Kind, das die Micky Maus liest, das genau weiß. Genau wie Barks hielt sie ihre kleinen Leser keineswegs für so blöde, daß die alles schlucken würden. Also mit fliegenden Fahnen raus aus der Deutschland-Patsche, die die Fuchs zu immer dreisteren Flunkereien treiben mußte, und rettende Flucht in ein namenloses Geflügelland.



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.24 19:26.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 27. Mai 2024 21:19

Quote
Coolwater
Wir haben somit in den ersten Jahren, von Anfang bis etwa Mitte der fünfziger Jahre, eine Verortung der Berichte in Deutschland. Die Fuchs hat diese Verortung dann aber zum Teufel fahren lassen. Warum?

Sehr interessante Feststellung! Aber das möchte ich erstmal statistisch belegt wissen.

Wenn es so ist, habe ich folgende Vermutung: Die MM lasen in den Fünfziger Jahren Kinder. Die waren damals nicht so aufgeklärt wie Kinder späterer Jahre, schon gar nicht so wie heute. Ich bin Zeitzeugin, ich weiß das. Die Wirklichkeit begegnete uns in unterschiedlichen Formen, und alles war real und wurde nicht hinterfragt. Man nahm es hin, wie es präsentiert wurde. Musste man ja – nachfragen kam nicht gut an. Die Moral der Zeit genauso wie die Pflicht zur Schule zu gehen oder die Tatsache, dass Erwachsene immer Recht haben. Kinderbücher vom Anfang des Jahrhunderts und Karl May waren für mich genauso real wie "You are leaving the American Sector". Als ich mit elf Jahren meinen ersten Roman schrieb, in dem zwei Jungen auf abenteuerlichen Wegen von München nach Hamburg gelangen und von dort (natürlich) nach Amerika, war ein Problem: Wie sind sie in München über die Grenze und die Mauer gekommen? Bis mein älterer Bruder mir sagte, dass es in München keine Mauer gibt. Prima! Aber weiter nachgedacht habe ich nicht.

Will sagen: die Leser:innen der Fünfziger waren ganz andere als die der Siebziger. Es kann sehr gut sein, dass Erika Fuchs auf die zunehmende Skepsis und Weltkenntnis der jungen Generation reagiert und ihre Texte angepasst hat, im Sinne von weniger heimatbezogen sondern eher ente-gans-vogel-neutral. Wäre eine interessante Untersuchung!

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 27. Mai 2024 23:18

Quote
Theodora Tuschel
Sehr interessante Feststellung! Aber das möchte ich erstmal statistisch belegt wissen.

Da stochere ich zugegeben ein bißchen im Nebel der fünfziger Jahre. Was die Mickymäuse aus der Zeit angeht, bin ich auch schwach, hab' da nur wenig. Womöglich ist Mitte der Fünfziger für diesen grundlegenden Wandel zu früh angesetzt.

Wenn Fuchs ursprüngliche Deutschlandverortungen bei der Zweitbearbeitung fürs Tegedede "verentenhausent", ist natürlich klar, daß wir hier schon in einem neuen Fuchstextzeitalter sind. Die Frage wäre, wann innerhalb von Fuchs I solche unmittelbaren Deutschlandverortungen heimlich, still und leise weniger werden oder irgendwann plötzlich gar nicht mehr auftauchen.

Das beschränkte sich natürlich nicht nur die Barksberichte. Ich glaub', in einer der allerersten Mickymäuse gibt's irgendwas mit Micky und Goofy und einem "Onkel aus Frankfurt" oder so. Micky und Goofy hatten irgendwann dann natürlich auch keine Onkel mehr in Frankfurt ...

Quote

Die MM lasen in den Fünfziger Jahren Kinder. Die waren damals nicht so aufgeklärt wie Kinder späterer Jahre, schon gar nicht so wie heute.

Ha! Mir als Kind in den Achtzigern mußte der Zeichner eines Rittercomics am Anfang nur eine schöne Pergamentrolle hinpinseln, in der dann was stand wie "Dies ist eine Geschichte, die sich wirklich begeben hat in alten Zeiten ...", und ich hab's geglaubt!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.05.24 23:22.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 28. Mai 2024 07:08

Reden wir mal nicht nur über EF. Ihr Chef war der Herr Kabatek und der hatte seinen Obermotz in Kopenhagen. Alle drei hatten ein Interesse daran, dass die empfindsamen Ösis aus Wien, Graz und Klagenfurt das MM-Heft nicht als ein arrogantes Piefkeprodukt empfanden.

Inwieweit die drei dann wirklich optimal im Sinne dieses Interesses handelten, steht noch auf einem anderen Blatt.

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.24 10:05.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 28. Mai 2024 10:56

Quote
Beppo
Reden wir mal nicht nur über EF. Ihr Chef war der Herr Kabatek und der hatte seinen Obermotz in Kopenhagen. Alle drei hatten ein Interesse daran, dass die empfindsamen Ösis aus Wien, Graz und Klagenfurt das MM-Heft nicht als ein arrogantes Piefkeprodukt empfanden.

Ich glaub' nicht, daß sich wer in Kopenhagen um solche Feinheiten geschert hat. Die haben die Stuttgarter übersetzen lassen, wie sie wollen.

Die Fuchs und der Kabatek haben auf österreichische "Befindlichkeiten" aber wohl auch nicht eine Sekunde verschwendet. Das Fuchsdeutsch in der Mickymaus ist "Bundesdeutsch", keine Spur davon, daß man ängstlich darauf bedacht gewesen wäre, Entenhauen mit "Austriazismen" anzureichern, auf daß das die Mickymaus jenseits von Inn und Salzach nicht im Laden liegenbleibe. Das hat die Fuchs und den Kabatek überhaupt nicht gekümmert. Der Erfolg gab ihnen recht. Sie haben die Mickymaus in Österreich eh gekauft – wie jedes andere bundesdeutsche Unterhaltungsdruckerzeugnis.

Da aber die Fuchs bei der früheren Verorterei sowieso nie Andeutungen gibt, wo genau man sich dieses Entenhausen zu denken habe, und da in den Berichten ja auch Namen wie Wien fallen, konnte so ein Steppke Bua aus Linz oder Graz, wenn er wollte, schon glauben, dieses Entenhausen liege vielleicht zwischen Innsbruck und Kufstein. Natürlich nur, wenn grad nicht der Seehafen im Bild war.

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Re: Europawahl
geschrieben von: gyro ()
Datum: 28. Mai 2024 14:05

Quote
Coolwater
In der ersten Fassung des Knoblismusberichts lesen wir auf dem Autobahnschild Frankfurt, Basel, Hamburg. Bonn, Wien. Später hat die Fuchs draus Geflügelstädtenamen gemacht.

Wir sind hier klar im amerikanischen Westen, in Kalifornien.

Also mit fliegenden Fahnen raus aus der Deutschland-Patsche, die die Fuchs zu immer dreisteren Flunkereien treiben mußte, und rettende Flucht in ein namenloses Geflügelland.

Aber warum ins Geflügelland? Warum wurden nicht amerikanische Ortsnamen ausgesucht bzw. beibehalten, weil es ja klar im amerikansichen Westen spielt?

Mir fällt dazu auch die eine Geschichte Im alten Kalifornien ein, in welcher Kalifornien und Los Angeles ausdrücklich benannt wurden--zumindest in der mir bekannten Fassung. Waren es bei Fuchs 1 noch deutsche Namen?

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Re: Europawahl
geschrieben von: duck313fuchs ()
Datum: 28. Mai 2024 16:07

...den Bericht "Im alten Kalifornien" hat Frau Dr. Fuchs nur einmal und zwar 1988 übersetzt...

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 28. Mai 2024 17:22

Quote
gyro
Aber warum ins Geflügelland? Warum wurden nicht amerikanische Ortsnamen ausgesucht bzw. beibehalten, weil es ja klar im amerikansichen Westen spielt?

Heute ist Barks ja als großer Künstler anerkannt und verehrt. Kämen die Ducks heute neu nach Deutschland und wollte man die Arbeiten dieses "großen Comic-Meisters" einer erwachsenen Leserschaft neu nahebringen, man wäre wohl auf eine ursprungstreuere Übersetzung bedacht und behielte die englischen Figuren- und Ortsnamen sämtlich bei. So wie's ja auch bei Roman-Übersetzungen oder Film-Synchros gewöhnlich geschieht.

Comics waren vor siebzig Jahren Kinderkram – grad im Land, wo die "Hochkultur" über einer als minderwertig angesehenen "Unterhaltungs-" oder "Populärkultur" thront. Die Redaktöre und Übersetzer haben mit den Comics gemacht, was sie wollten. Prinz Eisenherz ist eigentlich ein Erwachsenencomic. Aber auch den Prinzen von Thule haben sie hier damals kurzerhand zum Eisenherz verdeutscht. Was ich nicht schlecht finde. Heut tät' man ihm aus Ehrerbietung vor Hal Fosters Schaffen scheu seinen Namen Valiant lassen, der ja im Deutschen keinerlei Bedeutung hat. "Eisenherz" ist eigentlich eine "kongeniale" Verdeutschung von "Valiant" (= "tapfer"). Man würde sie heute nicht mehr wagen.

Die Fuchs wollte Entenhausen ja durchaus entamerikanern, eindeutschen, aus dem Schatz der deutschen Sprache schöpfen, Donald und den Seinen Goethe, Schiller und was weiß noch in den Mund legen und ein deutsches Sprachfeuerwerk entzünden. Und mit Hamburg, Bonn, Frankfurt hat die Fuchs Entenhausen anfangs richtiggehend nach Deutschland verlegt. Das aber, so meine "These", schien ihr nach einiger Zeit doch zu starker Tobak. Zu viele Indianer gleich hinter der Stadtgrenze und solche Sachen. Somit kam's zu dem Zwittergebilde des Geflügellandes, wo alles stark nach Amerika aussieht, die Fuchs aber trotzdem ihrem Affen Zucker geben kann und die lieben Leute munter die deutsche Sprache und Kultur pflegen läßt.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.05.24 18:41.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 28. Mai 2024 20:50

Auch wenn wir sagen, Barksens Duckburg ist unbestimmt in "Kalifornien" angesiedelt, ist Im alten Kalifornien ein besonderer Fall eines Kalifornienberichts, denn die Ducks "reisen" ja ins (erträumte) alte Kalifornien zurück, in Kaliforniens Wildwestvergangenheit. Der Schauplatz dieses Berichts ist eher vergleichbar mit anderen "exotischen" Schauplätzen in Duck-Reiseberichten, etwa Afrika im Zombiebericht

Es wäre einem Übersetzer gewiß grundsätzlich möglich, die Spuren der kalifornisch-wirklichen Orte unserer Welt in diesem Bericht zu beseitigen, diesen Bericht aus der wirklichen Geschichte und Verortung in unserer Welt herauszubrechen, etwa Kalifornien zu einem "Cowboy Country" und Los Angeles zu "Cowboy City" zu verblödeln. Aber es müßten schon englische (oder in diesem Fall auch spanische) Namen sein, damit der Wildwestschauplatz auch in dieser Verblödelung, Verkindlichung noch stimmig wirkt. Dagegen in diesem Bericht Los Angeles zu einem Schwanenstedt an der Schwentine und den Ezry zu einem Hans-Dieter umzutrimmen, das käm' eher schräg daher.

Die Fuchs hatte schon ein Feingefühl, wann ein deutscher Name unangebracht war. Die Orte in den Entenhausener Landen haben gewöhnlich deutsche Namen, aber wenn's dann doch eine Wildwest-Geisterstadt ist, die auch so ausschaut, wie eine Wildwest-Geisterstadt halt ausschaut, tauft die Fuchs sie mit sicherem Gespür fürs Richtige Circle City (heißt im Urbarks gar nicht so).

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Re: Europawahl
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 28. Mai 2024 23:25

Quote
Coolwater
Die Fuchs hatte schon ein Feingefühl, wann ein deutscher Name unangebracht war.

Ja, das hatte sie. Sie wusste, wann sie etwas nach Deutschland oder Europa verlegen konnte und wann nicht. Ein Kontrastbeispiel ist H. Herlitschkas Übersetzung von Brave New World für den Insel Verlag 1932. Er verlegte das Geschehen von London nach Berlin und auf den Militärflugplatz Döberitz bei Berlin. Die Absicht war gut, es war eine Anspielung auf den kommenden NS-Staat, und er wollte, dass die Leser das merken. Übersetzungstechnisch war es aber ein Irrtum. Ein besonders schlimmer, weil der Insel Verlag, berüchtigt für immer wieder neue Neuauflagen alter und schlechter Übersetzungen (kostensparend), diese Erstübersetzung bis Ende der 1970er Jahre weitergeschleppt hat. Da sagte der Ortsname Döberitz kaum einem Leser etwas. Döberitz war ein Nest in der DDR – na und?

So einen Fehler hat Erika Fuchs nie gemacht. Sie wusste ganz gut, wann es möglich war, "Bodensee" zu schreiben, und wann "Los Angeles" am Platz war. Oder Frost-City oder Freezed Foot oder Rapid-City oder sonst was. Ich glaube nicht, dass sie das groß reflektiert hat. Sie hatte aber viel Sinn für Sprache und Zusammenhänge und hat daher oft das Richtige getroffen.

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Re: Europawahl
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 29. Mai 2024 00:01

Goofys Onkel in Frankfurt in der allerersten Mickymaus:



Es gilt zweierlei scharf zu scheiden:

Da sind zum einen in den ersten Mickymausjahren Ortsnamen wie Frankfurt, Hamburg, Basel, Bonn, Bodensee. Dies ist das klare Bemühen, Entenhausen in einen hiesweltigen erdräumlichen Bezugsrahmen zu setzen, es in Deutschland einzusenken.

Dann sehen wir, auch wesentlich später, als die Verdeutschlandung längst Vergangenheit und Entenhausens Ort in Geflügelland fest ist, immer wieder eingestreut Namen von kleinen Orten aus Fuchsens oberfränkischer Wahlheimat wie Kirchenlamitz, Kleinschloppen, Schnarchenreuth. Das ist meines Erachtens nicht im Ernst als Versuch zu werten, Entenhausen im Oberfränkischen zu verorten. Fuchs war zweifellos klar, daß die Namen dieser Örtchen jenseits der Fichtelgebirgsgegend kaum wem was sagten. Es handelt sich vielmehr um Anspielungen oder Scherze für "Eingeweihte".

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Re: Europawahl
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 29. Mai 2024 05:40

Das MM-Heft war von Anfang an eine Zeitschrift für D, A und CH. (Die Umsätze im Saarland und in Luxemburg waren wohl nur Peanuts.) Entsprechend wird ein Phantasieland geschildert, in dem man Deutsch spricht. "Welt" reimt sich auf "gefällt". Das Land ist aber nicht Deutschland. Die Richtlinien der Politik bestimmt kein Herr Adenauer. Die Bahn heißt nicht Deutsche Bundesbahn.

Im Entenhausener Postamt sieht man Postsäcke mit der Aufschrift "Bundespost" (MM 11/1953). Damit kann ein Ösi oder ein Eidgenosse leben. Sein Heimatland hat auch eine föderale Struktur. Ein F************ würde wohl eher etwas wie "Nationale Post" erwarten.

Ich glaube, so kann man die statistische Seltenheit des Worts "Deutschland" erklären. Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer diie Regel.

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Beppo

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1-mal bearbeitet. Zuletzt am 29.05.24 06:52.

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