Das Schwarze Brett :  D.O.N.A.L.D.-Forum The fastest message board... ever.
Das Mitteilungsforum der D.O.N.A.L.D. 
Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 02. April 2022 05:23

Mit wenigen Mausklicks bespuckt einen das Weltnetz mit Wissensstückchen, für die, um mit ihnen glücklich bespuckt zu werden, noch vor wenigen Jahren ausgedehnte Archivreisen auf zwei Erdteilen nötig gewesen wären.

Mit Carl Barks als Ausgangspunkt [www.geni.com] kann auf geni.com das Netz seiner Verwandten und Vorfahren erforscht werden.

Soeben habe ich Barksens unmittelbare Vaterlinie („der Vater des Vaters des Vaters von" und so weiter) röscherschiert und analüsiert (auf gut deutsch, ich habe sie im Bett liegend auf meinem Klapprechner runtergeklickt). Man erhält so die folgende Kette von väterlichen Vorfahren Barksens:

1. Carl Barks (* 1901 Merrill, Oregon, USA – † 2000 Grants Pass, Merrill, Oregon, USA)
2. William Barks (* 1858 Bollinger County, Missouri, USA – † 1940 Lost River, Klamath, Oregon, USA)
3. David Barks (* 1829 Missouri, USA – † 1874)
4. Isaac Barks (* 1804 Crooked Creek, Cape Girardeau, Missouri, USA – † 1855 Marble Hill, Bollinger, Missouri, USA)
5. Jacob Barks (* 1771 Lincoln County, North Carolina, USA – † 1827 Cape Girardeau County, Missouri, USA)
6. William Barrach Barks (* 1750 Frechenfeld, Deutschland – † 1789 Lincoln, North Carolina)
7. Johannes Berg (* 1714 Nordhofen, Hessen-Nassau, Deutschland – † 1780 Frederick County, Maryland, USA)
8. Johan(n) Wilhelm (William) Berg (* 1683 Nordhofen, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, Deutschland – † 1750 Frederick County, Maryland, USA)
9. Hans (Johann) Peter Berg (* 1642 Nordhofen, Hessen-Nassau, Deutschland – † 1717 Selders, Nordhofen, Hessen-Nassau, Deutschland)
10. Adam Berg (* 1622 Nordhofen, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, Deutschland – † 1690 Selters, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, Deutschland)
11. Hanss Simon Berg (* 1595 Nordhofen, Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz, Deutschland – † 1655)

Mehrere Dinge fallen auf.

Erstens: Barks selbst sagte irgendwo, seine Vorfahren väterlicherseits seien Holländer gewesen und seine Vorfahren mütterlicherseits Schotten. Der Ursprung seiner Vaterlinie liegt nach Lage der Dinge jedoch in Nordhofen im Westerwald im heutigen Rheinland-Pfalz.

Die Erklärung dafür scheint mir einfach: Im 17. und 18. Jahrhundert wurde im Englischen "Dutch" (heißt nix anderes als "deutsch") für Deutsche allgemein gebraucht, "Dutch" war noch nicht verengte, ausschließliche Bezeichnung für die Niederländer (vergleiche den Namen "Pennsylvania Dutch" für Einwanderer aus der Pfalz im nordamerikanischen Staate Pennsylvanien).

Ich nehme an, es gab bei Barksens eine Familienüberlieferung, die Vorfahren seien "Dutch" gewesen. Spätere Geschlechter, als es in England und Amerika nicht mehr gängig war, Deutsche "Dutch" zu heißen, verbanden dies natürlich mit den Niederlanden.

Darüber hinaus ist es freilich möglich, daß Barks auch "echte" "Dutch" (niederländische) Ahnenlinien hatte. Die eine unmittelbare Vaterlinie ist ja nur eine von vielen, die Zahl der Ahnenlinien verdoppelt sich mit jeder Generation, die man weiter in der Vergangenheit zurückschreitet. Ich habe die anderen Vorfahrenlinien von Barks nicht untersucht.

Zweitens: Barksens Ahnen in Deutschland tragen den Nachnamen Berg, nach ihrer Auswanderung in die britischen Kolonien in Nordamerika wandelte sich bei einem von Barksens Vorfahren der Name offenbar irgendwann in "Barks".

Für mich leuchtet "Barks" nicht sofort ein als glattklingende, logische "Amerikanisierung" (richtiger: Anglisierung) von "Berg". Andererseits: Es gab im Zuge der Einwanderung nach Amerika viele Namensänderungen aus dem Deutschen und aus anderen Sprachen, die noch lustiger und schräger waren – was soll's.

Für den in Amerika eingewanderten Johann Wilhelm Berg (Nummer 8 auf meiner Liste) gab es nach den Angaben auf geni.com auch den Namen "Barrick", und einige seiner Söhne werden auf geni.com auch unter diesem Namen geführt (allerdings nicht Johannes Berg, Nummer 7, Carl Barksens Ahn).

"Barrick" wirkt fast wie das "fehlende Glied" zwischen "Berg" und "Barks". Sehr betont und zerdehnt kann man deutsch "Berg" im Englischen als "Barrick" aussprechen und niederschreiben, und es ist vielleicht nur ein kleiner Schritt, dieses "Barrick" noch einmal englisch kurz-knapp zu "Barks" "aufzuknacken".

Das dritte und, wie mir scheint, Merkwürdigste: Laut geni.com wurden Johann William Berg und seine Söhne Johannes Berg, Pieter Berg und John Berg am 8. Juli 1730 in New Jersey "naturalisiert". Die Bergs müssen also vor diesem Zeitpunkt aus Deutschland ausgewandert und in Amerika eingewandert sein. Aber: Laut geni.com wurde Johannes Bergs Sohn William Barrach Barks (Nummer 6) 1750 (!) in Frechenfeld geboren (offensichtlich Freckenfeld in der Pfalz).

Möglichkeit eins: Johannes Berg kehrte um 1750 für einige Zeit nach Deutschland zurück, um eine Frau zu suchen, er fand und heiratete eine in Freckenfeld, und sie gebar dort einen Sohn, und Mann, Weib und Sohn machten sich wieder auf den Weg nach Amerika. Doch ich vermute, die Bergs waren eher einfache Leute, und ein solches Unternehmen war um 1750 wohl mit weit mehr Aufwand und Mühe verbunden als schon einhundert oder einhundertfünfzig Jahre später im Dampfzeitalter, ganz zu schweigen vom „Dieselzeitalter“, dem 20. Jahrhundert.

Aber ich will diese Möglichkeit nicht ausschließen. Vielleicht können andere mit genaueren Geschichtskenntnissen über die Lebensumstände deutscher Einwanderer in Amerika um 1750 darlegen, ob eine solche kurze "Brautwerbungsreise" in die Heimat völlig verrückt gewesen wäre oder ob dergleichen tatsächlich vorgekommen ist. Immerhin fällt auf, daß laut geni.com alle Barks-Vorfahren in Deutschland aus dieser Linie in Nordhofen geboren wurden, dieser eine aber in Freckenfeld. Die Entfernung zwischen den beiden Orten beträgt fast 200 Kilometer …

Möglichkeit zwei: Auf geni.com liegt an dieser Stelle ein Fehler vor.

Nur her mit guten und verrückten Einfällen und Gedanken zu alledem.


Nachbemerkung: Ich habe diesen Beitrag vor wenigen Stunden in einer englischsprachigen, internationalen Carl-Barks-Diskussionsgruppe auf dem Fressenbuch veröffentlicht. Dazu hatte ich den Text auf Deutsch verfaßt, mit Gockel ins Englische übertragen und Schritt um Schritt bearbeitet. Um den Text nun hier zu veröffentlichen, hatte ich schlauerweise den deutschen Ursprungstext gelöscht, nahm den fertigen englischen, übertrug ihn mit Gockel ins Deutsche und bearbeitete ihn Schritt für Schritt. Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?



11-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.04.22 10:04.

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 04. April 2022 19:22

Höchst erstaunlich!

Bitte in den Alleswisser einfüttern, das ist der ideale Ort dafür!

------------------------
Frieden für die Ukraine!

Grkztrrrschwrzkajaaaa!

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 04. April 2022 20:54

Ich schau' mal, ob ich am Wochenende damit beginnen kann, dazu etwas zu verfertigen. Oben gelistet sind ja nur die Vätervorfahren der Stammlinie.

Wenn es nur um Barks' direkte Ahnen geht (Verdopplung mit jeder Generation), soweit bekannt, sollte es verhältnismäßig einfach sein, es als reine Liste übersichtlich darzustellen. Auf seiner Mutterseite ist sowieso schnell Schluß mit den bekannten Ahnen, habe ich gesehen. Die Stammlinie scheint am besten ausgeforscht.

Eine Liste, die dagegen von den Ahnen selber alle (!) bekannten Nachfahren enthält – das würde schon in einer Stammbaum-Darstellung schwierig und unübersichtlich. Wie man das am sinnvollsten als Liste darstellt, weiß ich nicht, die Genealogen haben da sicherlich ihre Konventionen. Ein solches Monstrum, das wohl viele hundert Namen umfassen würde, braucht's aber wohl erst mal eh nicht.

Zur oben dargelegten Stammlinie hat meine weitere Ausforscherei auf anderen Genealogie-Seiten einige Ergänzungen, Präzisierungen und Korrekturen ergeben. Eine davon ist, daß bei dem Barks-Ahnen William Barrach Barks "Barrach" ganz offenkundig kein zweiter Vorname ist, wie es den Anschein erweckt – ich hatte es zuerst für eine Spielart des biblischen Barak gehalten und auch wegen dieses Namens die Zugehörigkeit der Berg-Auswanderer zu einer evangelischen Freikirche vermutet –, sondern, wie "Barrick", eine Spielart des Nachnamens als Verenglischung von "Berg".

Daß Barksens "Dutch" Vorfahren nicht aus den Niederlanden, sondern aus dem Westerwald kamen, war für viele der Barks-Kenner in der genannten Gruppe eine verblüffende Enthüllung, hatte ich den Eindruck. Dabei liegen auf den verschiedenen Genealogie-Seiten die Infos hierzu zum Teil schon seit Jahren im Netz herum ...

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 07. April 2022 14:31

Quote
Coolwater

Zur oben dargelegten Stammlinie hat meine weitere Ausforscherei auf anderen Genealogie-Seiten einige Ergänzungen, Präzisierungen und Korrekturen ergeben. Eine davon ist, daß bei dem Barks-Ahnen William Barrach Barks "Barrach" ganz offenkundig kein zweiter Vorname ist, wie es den Anschein erweckt – ich hatte es zuerst für eine Spielart des biblischen Barak gehalten und auch wegen dieses Namens die Zugehörigkeit der Berg-Auswanderer zu einer evangelischen Freikirche vermutet –, sondern, wie "Barrick", eine Spielart des Nachnamens als Verenglischung von "Berg".

Hm. Angesichts der Dichte ehrwürdiger biblischer Namen in dieser Liste von Vorfahren (Adam, Simon, Jakob, Isaak, David) würde ich noch gerne den Baruch ins Spiel bringen (einer der "kleinen" Propheten). Wäre stimmig; nicht wenige fromme Deutsche haben ihre Kinder im 18/19 Jh auch Hosea, Joel oder Jona genannt...

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 07. April 2022 18:11

Aus anderen von mir aufgesuchten Genealogie-Seiten, wo sich Infos zu den Barksens befinden, geht ziemlich klar heraus, daß "Barrach" eine weitere Abwandlung des Nachnamens ist; dieser William, nach Lage der Dinge der erste "Barks", ist wohl unter allen vier Formen (Berg, Barrick, Barrach, Barks) auf den Dokumenten unterwegs – für die Zeit nicht ungewöhlich, zumal wenn der Name in der Neuen Welt von anderen einfach verenglischt niedergeschrieben wurde, wie sie's hörten.

Ich halte natürlich weiter für gut möglich, daß die Bergs einer Freikirche angehörten, die Übersee-Auswanderung aus den Rheinlanden im 18. Jahrhundert hatte ja oft einen solchen Hintergrund. Die anderen biblischen Namen unter den Barks-Ahnen waren in jenen Zeiten allerdings auch unter Mainstream-Protestanten und Katholiken geläufig.

Eine Frage an Dich: Wenn die Bergs einer Freikirche angehörten, würden sie dann in den normalen evangelischen oder katholischen Kirchenbüchern eines Ortes auftauchen? Doch wohl eher nicht, oder? Führten die Mennoniten und was es in diesen Zeiten noch alles gab, eigene Kirchenbücher mit Geburten, Taufen, Hochzeiten, Sterbefällen? – Wenn man wüßte, woher genau die ins Netz gespeisten genealogischen Infos kommen, ließe sich die Frage nach dem Glaubenshintergrund der Familie womöglich rasch beantworten. (Vielleicht erhält man die Antwort, wenn man sich auf diesen Seiten anmeldet ...)

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 08. April 2022 08:29

Quote
Coolwater
Eine Frage an Dich: Wenn die Bergs einer Freikirche angehörten, würden sie dann in den normalen evangelischen oder katholischen Kirchenbüchern eines Ortes auftauchen? Doch wohl eher nicht, oder? Führten die Mennoniten und was es in diesen Zeiten noch alles gab, eigene Kirchenbücher mit Geburten, Taufen, Hochzeiten, Sterbefällen? – Wenn man wüßte, woher genau die ins Netz gespeisten genealogischen Infos kommen, ließe sich die Frage nach dem Glaubenshintergrund der Familie womöglich rasch beantworten. (Vielleicht erhält man die Antwort, wenn man sich auf diesen Seiten anmeldet ...)

DA bin ich überfragt, habe das aber gerade an einen hoch kompetenten Kollegen weitergegeben.
Eintragung in den regulären Ortskirchenbüchern erfolgten natürlich nur, wenn es Angehörige dieser Kirchen waren: Die Matriken wurden grundsätzlich nach "sakramentalen" Ereignissen geführt (Taufbuch, Trauungsbuch, Sterbebuch). Entsprechend wirst du zB in katholischen Pfarrmatriken keinen Eintrag zu jüdischen Einwohnern des Pfarrgebietes finden (dem ist z.B. Ulrich Hoppe aufgesessen, der in den 1990ern tagelang in Norddeutschland nach Einträgen zu den Marx Brothers gesucht hat ... und übersah, dass die als Juden natürlich nicht in den Kirchenbüchern standen).

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 08. April 2022 09:08

Manchmal bewirkt das Nachforschen in Kirchenbüchern auch eine große Enttäuschung: Mein Urgroßvater in der unmittelbaren Vaterlinie, der sich später Carl nannte, wurde auf den banalen Namen Karl getauft.

Bei Carl Friedrich May war es übrigens genau umgekehrt. Der hat, auch im Anaversum, als Karl May publiziert. (WDC 103/1)

Grunz!
Beppo

Ein Kojote ist und bleibt ein Hühnerdieb!

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 08. April 2022 09:14

Quote
Beppo
Manchmal bewirkt das Nachforschen in Kirchenbüchern auch eine große Enttäuschung [...]

Wem sagst du das ... Auf der Suche nach althabsburgischen Kleinadeligen stößt man auf die Abstammung von Fleischern, Viehhändlern und (mutmaßlich) einem Hofnarren ...

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 09. April 2022 03:38

Quote
Ostsibirischer Korjakenknacker
Auf der Suche nach althabsburgischen Kleinadeligen stößt man auf die Abstammung von Fleischern …

Ist …



Quote

… Viehhändlern …

… doch …



Quote

… und (mutmaßlich) einem Hofnarren …

… donaldisch.



Quote

Eintragung in den regulären Ortskirchenbüchern erfolgten natürlich nur, wenn es Angehörige dieser Kirchen waren

Als ich die Frage ausformelte, wußte ich im Grunde selber, daß sie Blödsinn war. Klar stehen in katholischen Kirchenbüchern vor dreihundert Jahren nur die Katholiken, in evangelischen nur die Evangelischen, und Juden und alle möglichen zu dieser Zeit bestehenden christlichen Freikirchen hatten eigene "Kirchenbücher" oder Verzeichnisse.

Mein dunkler Gedanke war: Es war die Zeit des Absolutismus und der "Verstaatung". Es mochte sein, daß im Heylgen Roͤmisch-Teutschen Reich so ein absolutistischer Landesherr darauf bedacht war, alle seine Landeskinder, welcher Konfession sie auch waren, seien für den "Staat" möglichst greifbar verzeichnet …

In katholischen Kirchenbüchern stehen keine Protestanten und in protestantischen keine Katholiken, und Juden führten eigene Verzeichnisse. Doch ich dachte nebelhaft: Es könnte sein, daß um diese Zeit die "Staatsverwaltung" zumindest in manchen protestantischen deutschen Territorien bereits so "fortgeschritten" war, daß die "Staatskirche" angehalten war, auch "Personenangaben" zu protestantischen Freikirchen in ihren Büchern aufzunehmen.

Die Zivilehe wurde im Deutschen Reich 1875 nach hartem Kampf eingeführt. Im Grunde wußte ich, daß mein netter Traum eines überkonfessionellen Kirchenbuchs hundertfünfzig oder mehr Jahre vorher genau das war.

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 09. April 2022 09:08

Mal abwarten, was Rudi dazu sagt. Das ist der beste Experte in der Richtung, den ich an der Hand habe. Ich sage Bescheid!

------------------------
Frieden für die Ukraine!

Grkztrrrschwrzkajaaaa!

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 09. April 2022 18:58

Zur Namenswandlung in der Neuen Welt noch einige Gedanken von bestechender Einfalt und verblüffendem Scharfsinn.

Die verenglischten Formen "Barrick" und "Barrach" muten zunächst kraus an. Man muß sich jedoch eine Tatsache vergegenwärtigen: Die Bergs aus dem Westerwald haben ihren Namen sicherlich nicht genau so ausgesprochen, wie ihn ein Tagesschausprecher im Jahr 2022 ausspricht. Überhaupt sprach Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland niemand so wie ein Tagesschausprecher dreihundert Jahre später. Die Menschen damals sprachen selbstverständlich ihre landschaftlichen Mundarten. Am ehesten noch kam dem heutigen Standarddeutsch die Sprechweise von Angehörigen der gebildeten Schichten (Geistliche, Gelehrte) nahe, wenn sie Deutsch nach der "Schrift" sprachen. Aber auch deren gesprochenes "Schriftdeutsch" war mehr-minder kräftig von der jeweiligen landschaftlichen Sprechweise geprägt.

Wie Hochdeutsch "gut" und "richtig" zu sprechen sei, darüber wurde man sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts einigermaßen einig, mit der – noch keineswegs abschließenden – "Kodifizierung" durch Theodor Siebs im Jahre 1898 (Deutsche Bühnenaussprache). Im frühen 18. Jahrhundert war überdies das Literaturdeutsch noch etwas knödlig, auch das "Schriftdeutsche" erfuhr erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts seine Durchbildung. Das "Lutherdeutsch" hatte zu dieser Zeit im Süden sogar noch eine Wettbewerberin in Form der sogenannten "oberdeutschen Schreibsprache", die uns heute nicht nur etwas, sondern arg knödlig erscheint.

Konkret für die Barks-Ahnen heißt das alles: Es ist möglich, daß sie ihren Namen nicht "Berk" aussprachen, wie es das heutige Standarddeutsch verlangt, sondern "Berch". Diese Aussprache ist ja nicht nur in Hambuich noch heute in weiten Teilen des deutschen Sprachraums verbreitet. Und noch eine dritte Aussprachemöglichkeit für das "g" tut sich auf: "Bersch", wie in westlichen Teilen des deutschen Sprachraums, auch im Westerwald. Dieses rheinische "sch" (bekannt vor allem durch die Kölner Stadtsprache), das den ich-Laut (und in diesem Fall den Buchstaben "g") ersetzt, ist nicht identisch mit dem standarddeutschen "sch"-Laut [ʃ], sondern ein eigener Laut [ɕ], der grob zwischen dem ich-Laut und "sch" angesiedelt ist. Für Deutschsprecher aus anderen Gegenden hört es sich aber an wie "sch" [ʃ].

Wir haben für "Berg" also die drei möglichen Ausspracheformen "Berk", "Berch" und "Bersch". Vielleicht wurde auch nicht nur eine hiervon "genutzt", sondern zwei oder sogar alle drei schwappten hin und her.

Wir wissen nicht, wie man sich die Aussprache der verenglischten Form "Barrach" genau denken soll. Vielleicht ist das "ch" hier nicht als "tsch", sondern als "ck" zu sprechen, und dann liest sich "Barrach" praktisch gleich wie "Barrick". Beide erscheinen freilich als englische Verschriftlichungen von "Berk". Sollte das "ch" von "Barrach" jedoch den Lautwert "tsch" repräsentieren, liegt es nahe, daß versucht wurde, die Aussprachevarianten "Berch" (mit dem für englische Ohren fremden ich-Laut) oder "Bersch" wiederzugeben.

Ja, ein bißchen verunfallt wirkt die Verenglischung "Barrach" schon. Für ziemlich sicher halte ich jedoch, daß "Barrach" nicht auf der zweiten Silbe zu betonen ist (also nicht wie der Vorname von Barack Obama), sondern auf der ersten, wie es der "natürlichen" englischen Betonung entspricht, und das zweite "a" ist nur schwach und verschwindet schon fast, wie in dem Wort "barrack" (GB: [ˈbær.ək], US: [ˈber.ək]).

Dem, der noch nicht darüber gegrübelt hat, wie vor dreihundert Jahren ein Herr Berg aus dem Westerwald, mutmaßlich kein Geistlicher und Gelehrter, sondern einfacher Bauer oder Handwerker, seinen Namen ausgesprochen hat, mag das alles ein bißchen seltsam erscheinen. Doch bedenke man, daß noch einen ganzen Tick später der überaus gebildete Goethe munter reimte: "Ach neige, du Schmerzensreiche". Und da ist gar nichts gezwungen, sondern der Frankfurter reimte, wie er's als gutes und richtiges Deutsch verstand: "Ach neiche …"

Man sagt, in der Gegend von Hannover würde das makelloseste, mundartärmste Deutsch gesprochen. Aber auch dort sagen für "Tag", "Zug", "Weg" viele "Tach", "Zuch", "Wech". Und selbst der Herr Siebs, der den "Tak", "Zuk", "Wek" festschrieb, gönnte sich und uns mit dem "Könich" ja eine dicke Ausnahme von der Regel.

Weiter im Text. Was bei den verenglischten Formen "Barrick" und "Barrach" noch auffällt, ist das mit dem Doppelbuchstaben geradezu hervorgehobene "r" von "Berg".

Dazu ist zu sagen: Im heutigen Deutsch beherrscht das Zäpfchen-r die Bühne, und das Zungenspitzen-r hat sich weitgehend auf den Süden des deutschen Sprachraums zurückgezogen (Bayern, Österreich, Schweiz) und führt dort einen Abwehrkampf gegen das Zäpfchen-r. In einer Position wie in "Berg" nun setzen wohl die meisten Deutschsprecher für die Verwirklichung des "r" weder Zäpfchen noch Zunge ein, sondern vokalisieren es als schwaches "a". Ich jedenfalls rolle oder reibe in "Berg" gar nix, das wäre mir zu überkandidelt. Ich finde, ein in dieser Position deutlich gegurgeltes "r" wirkt selbst bei geschulten Sprechern oft geziert bis lächerlich (der berühmte "Spocht").

Vor dreihundert Jahren nun war das Zäpfchen-r im Deutschen noch ein obskur Ding, mit dem man sich zum Affen machte. Allbeherrschend war im gesamten deutschen Sprachraum das Zungenspitzen-r, und mit ziemlicher Sicherheit haben auch die Bergs ihr "r" gerollt, so sie es denn als Konsonanten verwirklichten, was sie wahrscheinlich taten, wenn sie in den nordamerikanischen Kolonien englischen Ohren laut und deutlich ihren Namen mitteilten. Also: "Bääärrk", "Bääärrch" oder "Bääärrsch", mit einem "r" wie es ein italienischer Operntenor oder zumindest ein Werdenfelser Gamsjäger nicht schöner rollen könnte.

All dies ergrübelt, gedreht und gewälzt, erscheinen die Berg-Verenglischungen "Barrick" und "Barrach" gleich nicht mehr so kraus.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.04.22 19:09.

Optionen: AntwortenZitieren
Re: Die Barksens aus dem Westerwald
Datum: 10. April 2022 15:57

Mein bester Coolwater, hier die Antwort von Rudolf Höfer (in Auszügen - wenn er antwortet, dann ordentlich!):

[Die Matrikenführung der Pfarren] beginnt mit dem Aspekt der Rechtssicherheit, wer zu wem gehört. Mit dem Augsburger Religionsfrieden waren im Reich nur mehr Evangelische und Katholische vom Landesfürsten geduldet. [...]

Im Zuge der Gegenreformation um 1600 in den habsburgischen Ländern waren die Baptisten entweder zum Übertritt oder zur Auswanderung gezwungen.
Baptisten/Huterer/Mennoniten sind von den Evangelischen eher bekämpft worden [Hervorhebung OsKk], im Zuge der theresianischen Ausweisungen/Deportationen bis zuletzt 1786 sind die Personen nach Siebenbürgen zwangsweise geschickt worden. [...]
Über die Auswanderer nach Amerika haben wahrscheinlich eher nur die dortigen Gemeinden Aufzeichnungen, die weltliche Verwaltung verfügt in der Regel über keine Daten, weil das Sache der Pfarre war.

Überhaupt war die Auswanderung in die USA im 17. Jahrhundert kaum gegeben, eher ins Reich in die Reichsstädte, in denen beide Konfessionen toleriert waren mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555.
----------------------------

D.h. die "entsendenden" Orte haben von "Andersgläubigen" sicher keine Aufzeichnungen, es sei denn, es wären Konvertiten (in beide Richtungen).

------------------------
Frieden für die Ukraine!

Grkztrrrschwrzkajaaaa!

Optionen: AntwortenZitieren


Dein vollständiger Name: 
Deine Emailadresse: 
Thema: 
Spam prevention:
Please, enter the code that you see below in the input field. This is for blocking bots that try to post this form automatically.
 **         ******   **     **   ******    ******  
 **        **    **  ***   ***  **    **  **    ** 
 **        **        **** ****  **        **       
 **        **        ** *** **  **        **       
 **        **        **     **  **        **       
 **        **    **  **     **  **    **  **    ** 
 ********   ******   **     **   ******    ******  
This forum powered by Phorum.