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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 15. April 2019 08:30

> Das ist ja eine der Grundfragen, die mich seit Jahren (buchstäblich!) beschäftigt: Was macht eine Barks (oder evtl. noch eine Jippes)-Zeichnung "lebendig", und warum wirken andere dagegen tot bzw. statisch?

Nur Theologen haben den Mut, Fragen zu stellen, die 313 Düsentriebs in 313 Jahren nicht beantworten könnten. Warum hat der HErr am vierten Tag den schönen Eisvogel und am fünften die hässliche Grottenassel erschaffen?

Frag uns doch mal was Leichteres. Zum Beispiel, ob die Riemannsche Hypothese zutrifft.

Wir sind ja im Prinzip ein Carl-Barks-Fanklub. Das hat uns zusammengebracht. Wir sind voreingenommen. Barks mögen wir alle. Das Phantom ist nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Man könnte ja auch allgemeiner fragen. Was ist das Besondere an Shakespeare, an Loriot oder Bob Dylan? Ist eine allgemeine Theorie der Künste möglich? Ohne Hilfe von allerhöchster Seite kann ich heute nur sagen, dass das menschliche Gehirn eine Blackbox ist mit einer Software, die wir nicht dekompilieren können.

Warum ist Donald ein begnadeter Glasermeister, der die klassische Cornea-Operation aus dem ff beherrscht? Ich glaube nicht, dass er das lange geübt hat. Das steckt irgendwie in seiner DNA (wenn die Ducks eine DNA haben). Andere Glasermeister können das nicht so gut. Dahinter liegt das Prinzip des Genpools. Wenige sind auserwählt. Andere Zeichner können eben nicht so gut zeichnen (und texten) wie Barks.

In der Mathematik gibt es die Argumentation mit Gegenbeispielen. Man widerlegt eine Vermutung mit der Angabe eines Beispiels, für das die Aussage nicht gilt. Es gibt einen nichtreflexiven Banachraum, der zu seinem Bidual isometrisch isomorph ist. (Wenn ihr das für kubistanisch haltet, das ist kubistanisch.) Gottfried Helnwein kann Erika Fuchs gut zeichnen, Simon Schwartz kann das nicht. Carl Barks konnte Donald gut zeichnen, Luciano Bottaro konnte das nicht. Aber wie wir in Bayern sagen: Eimal neidappt langt. Das Leben ist zu kurz, um sich wochenlang mit Bottaro zu beschäftigen.

Grunz!
Beppo

Zeppo: Dad, the garbage man is here.
Groucho: Tell him we don't want any.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Raskolnikow ()
Datum: 15. April 2019 11:05

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Theodora Tuschel
(Ich hoffe, Verehrtester, du hast den Esel als Anspielung auf Palmsonntag erkannt.)
Was denn für ein Esel?
Den habe ich nicht verstanden. Aber ich muß ja auch nicht alles verstehen. Ich bitte um Erhellung!

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Beppo
Aber wie wir in Bayern sagen: Eimal neidappt langt. Das Leben ist zu kurz, um sich wochenlang mit Bottaro zu beschäftigen.
Ach was. Das laß das Phantom man selber entscheiden, für welche Dinge er Wochen seines Lebens verwendet! Ich habe im Laufe meines Lebens schon weitaus sinnlosere Verwendungen von Lebenszeit beobachten dürfen. Und vielleicht war dieses Beobachten meinerseits ja auch sinnlos. Schließlich gibt es bekanntlich nur eine Tätigkeit, die langweiliger als Angeln ist: einem Angler beim Angeln zuzusehen. Trotzdem kann beides Spaß machen und erfüllend sein.
Ich persönlich sehe dem Phantom zumindest gerne bei seinen Ausführungen zu!

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Ostsibirischer Korjakenknacker
Und das erklärt auch, warum bestimmte Darstellungen einzelner Figuren in den LTB-Geschichten für mich immer unschlüssig und daher unglaubwürdig ausgesehen haben ...
Genau das ist es. In meiner Kindheit, als ich Lustige Taschenbücher noch lustig fand, gab es in diesen bessere und schlechtere Geschichten. Und manchmal war die Mimik und Gestik der Protagonisten nur begrenzt passend zu der Handlung, das fiel sogar mir Knirps auf. Und dank des Phantoms weiß ich nun, weshalb das so ist. Danke!

Grundsätzlich finde ich an dem Vorgehen des Herrn Bottaro wenig Tadelnswertes. Für mich ist auch das Verwenden zusammenkopierter Motive für eine neue Geschichte Kunst. In meiner Schulzeit hat uns der Kunstlehrer auch einmal dazu aufgefordert, aus Bilderschnipsel aus irgendwelchen Illustrierten ein neues Werk, eine sogenannte Collage, zu schaffen. Zumindest bei mir war das Ergebnis deutlich weniger gelungen als bei Herrn Bottaro.

Offenbar war der Herr als Szenarist deutlich begabter als als Zeichner. Na und? Das trifft auch auf René Coscinny und Neil Gaiman zu. Immerhin hat er seine Grenzen erkannt und nicht in einem Bereich herumgepfuscht, den er nicht beherrscht. Doch anstatt sich der Dienste besserer Zeichner für seine Geschichten zu bedienen, hat sich Bottaro für Collagen entschieden. Das finde ich weitaus besser, als schlecht selber zu zeichnen.
Das Einzige, was mich an seiner Vorgehensweise stört, ist die Nichtkennzeichnung seiner zitierten Quellen. Aber das holt das Phantom ja nun nach.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 15. April 2019 14:50

Quote
Raskolnikow
Was denn für ein Esel?
Den habe ich nicht verstanden. Aber ich muß ja auch nicht alles verstehen. Ich bitte um Erhellung!

Ich habe Fräulein Tuschels Beitrag jetzt drei- oder viermal gründlich gelesen – und auch bei mir steigen nur die Fragezeichen aus dem Kopf. Die Höhlenbilder der Steinzeit werden's ja nicht sein, das sind eher Hirsche und Stiere, die sie da jagen …

Quote

Das Einzige, was mich an seiner Vorgehensweise stört, ist die Nichtkennzeichnung seiner zitierten Quellen. Aber das holt das Phantom ja nun nach.

Da wäre der gute Bottaro aber päpstlicher gewesen als der Papst. Seine Geschichte hat er 1962 erstveröffentlicht. Da war Barksens Name selbst in dessen Heimat nur einem kleinen Kreis von Auserwählten bekannt, die donaldlesenden Massen auf beiden Seiten des Atlantiks indes hatten keinen Dunst, wer der "gute Zeichner" war.

Die grundverschiedenen Stile der Zeichner faszinieren auch mich seit je. Bekanntlich hat sich ja auch Don Rosa in seinem Frühwerk – vor allem in seiner Einstandsgeschichte – reichlich bei Barks bedient und Posen kopiert. Trotzdem: jede Figur trägt unverkennbar Rosas Handschrift. Und dann ist da auf der anderen Seite einer wie Giorgio Cavazzano, der nun wieder ganz anders zeichnet. Auch von Cavazzano gibt es in seiner Barks-Hommage einige unmittelbare Barks-Figurenkopien. Aber alle blitzen und blinken sie im typischen stromlinienförmig-chromstahlpolierten Cavazzano-Look.

Beim erwähnten Dann Jippes glaube ich an Zauberei. Mit ihm ist ja im Grunde der größte Kopist am Werk, den Gott je geschaffen ist. Nicht von einzelnen Figuren oder Posen, wie es gewöhnlichen Sterblichen wie Bottaro oder Rosa einfällt, sondern von ganzen Stilen. Jippes kann ja nicht nur Barks meisterlich imitieren, sondern auch Gottfredson, Uderzo, Franquin, Morris, und, und, und. In donaldischer Unbescheidenheit brüstete sich Jippes einmal, er könne "jeden Stil" nachmachen. Von ihm gibt es ja auch einige (wenige) Donald-Duck-Geschichten, die er nicht im Stile Barksens ausgeführt hat, sondern nach Art irgendwelcher altamerikanischer Minuszeichner. Das brauchen wir natürlich nicht.





2-mal bearbeitet. Zuletzt am 15.04.19 15:01.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Pankranz Piepenström ()
Datum: 15. April 2019 15:10

So, ich habe mich jetzt also auch mal richtig angemeldet, mit allem, was dazu gehört.

Quote
Coolwater
Ich habe Fräulein Tuschels Beitrag jetzt drei- oder viermal gründlich gelesen – und auch bei mir steigen nur die Fragezeichen aus dem Kopf. Die Höhlenbilder der Steinzeit werden's ja nicht sein, das sind eher Hirsche und Stiere, die sie da jagen …
Ich denke mal, es geht um das gestrige Tagespanel - Landbriefträger Duck auf seinem Esel reitend.

Quote
Raskolnikow
Offenbar war der Herr als Szenarist deutlich begabter als als Zeichner. Na und? Das trifft auch auf René Coscinny und Neil Gaiman zu. Immerhin hat er seine Grenzen erkannt und nicht in einem Bereich herumgepfuscht, den er nicht beherrscht. Doch anstatt sich der Dienste besserer Zeichner für seine Geschichten zu bedienen, hat sich Bottaro für Collagen entschieden. Das finde ich weitaus besser, als schlecht selber zu zeichnen.
Allerdings hat er ja auch Skripte anderer "Szenaristen" (schönes Wort!) ins Bild gesetzt, und dabei hat er nicht weniger abgekupfert. Vielleicht hätte er beim Geschichten schreiben bleiben sollen.
Im Gegensatz zum Phantom finde ich übrigens den frühen Scarpa/Cimino-Stil mit den koboldartigen kleinen Ducks sehr ansprechend. Natürlich nicht realitätsgetreu die Entenhausener Wirklichkeit abbildend wie bei Barks, aber Scarpas Werke sind ja auch Märchen, keine Bildberichte.

Beste Grüße
Pankranz aka Sven

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 15. April 2019 15:13

Quote
Theodora Tuschel
(Ich hoffe, Verehrtester, du hast den Esel als Anspielung auf Palmsonntag erkannt.)

1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.04.19 19:04.

Ich fürchte, bei dieser "Bearbeitung" ist irgendwas Wesentliches flöten gegangen. Möglicherweise ein Esel ...

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 15. April 2019 18:59

Welch Sturm im Wasserglas! Die Bemerkung mit dem Esel war für den Korjakenknacker gedacht und bezog sich auf das Tagespanel von Palmsonntag: Donald auf einem Esel reitend. Zugegeben, das war ziemlich um die Ecke gedacht. Aber Panels mit christlich-religiösem Inhalt findet man bei Barks bekanntlich nicht im Überfluss.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Fährmann ()
Datum: 15. April 2019 19:08

Eselreiten allerdings öfters...

Ahoi!

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Re: Kopisten am Werk
Datum: 16. April 2019 05:49

Quote
Theodora Tuschel
Panels mit christlich-religiösem Inhalt findet man bei Barks bekanntlich nicht im Überfluss.

Stimmt, und das ist keines. Ich habe Deinen Hinweis entsprechend auch scherzhaft aufgefasst... Kein Stress!

------------------------
Grkztrrrschwrzkajaaaa!

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Beppo ()
Datum: 16. April 2019 07:54

> Schließlich gibt es bekanntlich nur eine Tätigkeit, die langweiliger als Angeln ist: einem Angler beim Angeln zuzusehen. Trotzdem kann beides Spaß machen und erfüllend sein.

Ich bin auch nur ein kindischer Nostalgiker. Deshalb bin ich hier. Für die sogenannten Lustigen Taschenbücher bin ich aber zu alt. Ich könnte ja stattdessen einem Bonanza-Fanclub beitreten. Ich kriege neuerdings Mütterrente, die würde fast für einen weiteren e.V. reichen. Meine Nostalgie beschäftigt sich aber mehr mit den interessanten und nicht mit den mittelmäßigen oder schlechten Dingen aus meiner Kindheit.

Leute wie Knacki, Tuschel oder Rasi finde ich gut. Ich lausche gerne ihren weisen Worten. Ich finde es aber schade, wenn sie zu viele Perlen vor zu viele Säue werfen.

Grunz!
Beppo

Zeppo: Dad, the garbage man is here.
Groucho: Tell him we don't want any.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 16. April 2019 08:00


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Raskolnikow ()
Datum: 16. April 2019 08:42

Quote
Beppo
...Rasi...
Wenn schon ein Kosename, dann bitte Rolly!

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 17. April 2019 07:53


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 18. April 2019 09:05


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 19. April 2019 09:15


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 20. April 2019 09:05


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 21. April 2019 09:34


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Blubber Lutsch ()
Datum: 21. April 2019 20:16

Quote
Beppo
> Super-Aktion, die wohl niemand sonst in dieser Form zustandebringen würde. <
Künstler haben schon immer mit real existierenden Personen als Modell gearbeitet. ... ...
Aber was ist daran so bemerkenswert? Das ist halt so. ... ...

Mein von Dir zitiertes Lob ('Super-Aktion') bezog sich - eigentlich nicht misszuverstehen - nicht auf die Aktivitäten der Kopisten, sondern auf das kenntnisreich-akribische Vorgehen des Phantoms.

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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 22. April 2019 08:53


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 23. April 2019 09:19


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Re: Kopisten am Werk
geschrieben von: Das Schwarze Phantom ()
Datum: 24. April 2019 08:43


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