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Neues Buch: Peter Schilling: Carl Barks' Duck. Average American
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 28. Oktober 2015 21:41

[www.amazon.de]

Bei mir frisch eingetroffen, hab's aber noch nicht gelesen. Hat hier wer schon seine Nase in den Schmöker reingesteckt?

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Re: Neues Buch: Peter Schilling: Carl Barks' Duck. Average American
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 20. September 2020 16:12

Ein langes Interwju des Comics Journal mit Peter Schilling über sein Buch, Carl Barks und die Ducks. Schon fünf Jahre alt, bin aber jetzt erst drauf gestoßen: [www.tcj.com]

Natürlich auf englisch. Da kommt man nicht drum rum.

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Re: Neues Buch: Peter Schilling: Carl Barks' Duck. Average American
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 20. September 2020 17:53

Ganz neu ist das BUch nicht, es ist von 2014 und in der Zentralbibliothek der D.O.N.A.L.D. vorhanden. Im Bibliothekskatalog habe ich dazu geschrieben:

Schilling, Peter: Carl Barks’ Duck: Average American. Minneapolis: Uncivilized Books, 2014. 122 S. (Critical Cartoons ; 2.)
Das Buch hat den Anspruch einer literatursoziologischen Analyse der Barks’schen Duck-Geschichten, es bietet jedoch nicht wesentlich mehr als Nacherzählungen einiger ausgewählter Geschichten mit Interpretationsansätzen. Laut Klappentext wird Donald Duck als Prototyp des durchschnittlichen Amerikaners hingestellt: „… illuminating journey through several Duck stories - from classics like ‚Lost in the Andes‘, through forgotten masterpieces like ‚Master Wrecker‘ oder ‚Spare that Hair‘ … Drawing on his experiences … Barks went to create a character who was remakable … for not being remarkable. In his pursuit of a good job, his boredom with subarban life, his temper, his squabbles with neighbors, and his resolve in the face of his many failures, Carl Barks’ Duck was truly your average American.“

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Re: Neues Buch: Peter Schilling: Carl Barks' Duck. Average American
geschrieben von: Coolwater ()
Datum: 20. September 2020 19:00

Quote
Theodora Tuschel
Ganz neu ist das Buch nicht […]

Dieser Faden auch nicht. winking smiley

Was anderes. Autor Schilling in dem verlinkten Gespräch mit The Comics Journal:

Certainly I think his art could be really influential. It’s just beautiful storytelling. But it’s hard for me to predict. I’d like to think that the comics are going to stick around, that they’re the type of things kids would love . . . but frankly, on the other hand, if I were a parent, and we’re getting toward an era where—I hope—we respect other races, we respect other sexes to the same degree that we respect white men, it would be nice if there were other stories for kids. When they have those other stories that tell them everyone matters, are [the Barks stories] so universal that readers can get past all the crap? Is this the type of thing little girls would like? If I had a daughter, I can imagine saying, “These are so great,” and then while reading it to her, “Crud. There’s not a single girl in this thing.” It’s very difficult for me to imagine the future and know where Carl Barks is going to be in it.

Meine zwo Kreuzer dazu. Diese Meinung, daß sie wegen der "problematischen Aspekte" in Barksens Werk Schwierigkeiten hätten, die "Geschichten" ihren Kindern zu lesen zu geben oder überhaupt für Kinder zu empfehlen, habe ich schon gelegentlich von Amerikanern gehört, die sonst den Barks durchaus hochschätzen. Es wird wohl so sein, daß die Kultur der "political correctness" drüben wesentlich tiefer greift als bei uns, jedenfalls ist mir die Auffassung, Kinder sollte man vom Barks vielleicht besser fernhalten, bei Barks-Liebhabern hierzulande (noch) nicht begegnet.

Als wie problematisch auch immer man nun dies oder jenes im Barks-Werk sieht – ich bin zutiefst davon überzeugt, daß, wenn die Stunde kommt, da Kinder den Barks nicht mehr lesen, das auch das Todesurteil für das Barkstum als lebende Kultur und nicht nur als antiquarische Angelegenheit sein wird. Es mag einige wenige einzelne geben, bei denen es anders war – aber wir alle haben den Barks doch in Kindertagen für uns entdeckt. Und ich glaube auch, es ist ein anderes, ob man in die Welt von Entenhausen schon als Kind eintaucht oder erst als Erwachsener. Wenn Kinder den Barks nicht mehr lesen, so stirbt das Barkstum. Auf ein paar Literatur-Professoren, die im Jahr 2100 in Abhandlungen, die niemand liest, den Barks würdigen, ist letztlich geschissen.

Es wird am Ende vielleicht keine große Rolle spielen, ob einige pädagogisch ehrgeizige Eltern glauben, ihren Kindern den Barks zumuten zu dürfen oder nicht. Ich kann mich nicht erinnern, daß wir damals zu den Comics und zum Barks von wohlmeinenden Erwachsenen hätten hingeführt werden müssen. Das haben wir uns alles selber erschnuppert.

Von den "problematischen" Seiten in Barksens Werk ganz abgesehen: Es läßt sich gar nicht vermeiden, daß, je mehr die Zeit voranschreitet und der Abstand größer wird zu den Tagen, da Barks lebte und wirkte, die Geschichten um Entenhausen um so mehr von gestern wirken müssen, immer weniger mit dem Lebensalltag und der wirklichen Welt der kindlichen Leser zu tun haben werden – ebenso wie die Kinderwelten im Struwwelpeter und in Max und Moritz erkennbar die einer anderen Zeit sind. Ich enthülle wohl kein Geheimnis, wenn ich bemerke, daß die Welt von Entenhausen in den Berichten, die der Amerikaner Barks in den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhundert niederlegte, sehr große Ähnlichkeit mit dem Amerika in den vierziger. fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in unserer Welt hat (Zufälle gibt's!). Automobile, Telefone, Kleidung, das Kinderspiel der Knaben, gewiß auch manches in der von Fuchs überlieferten Sprache – schon heute muß dem barkslesenden Kind vieles wie von gestern erscheinen. Daß die Berichte trotzdem noch so frisch und gar nicht angestaubt daherkommen – es zeigt nur Barksens und Fuchsens Meisterschaft, die einen vergessen läßt, daß ihr Entenhausen eine "Welt von gestern" ist. Der Gottfredson wirkt um einiges angestaubter, aber auch etwa Tim und Struppi macht auf mich einen "gestrigeren" Eindruck. Aber gut, Donald trägt (zum Glück!) auch keine Knickerbocker.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.09.20 20:54.

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Re: Neues Buch: Peter Schilling: Carl Barks' Duck. Average American
geschrieben von: Theodora Tuschel ()
Datum: 20. September 2020 20:53

Auch wenn man Barks' Werk als literarisches Werk ansieht, erscheint mir die Frage nach der zeitgenössischen Rezeption ziemlich unwichtig. Natürlich kann man sagen: das ist ja heute altmodisch. Aber das gilt für alle großen Werke der Literaturgeschichte. Niemand redet heute so wie die Figuren von Sophokles, Shakespeare, Goethe oder Fontane. Oder trägt die gleiche Kleidung oder benutzt ein ähnliches Telefon. Aber die behandelten Probleme sind die gleichen geblieben. Barks steht da ganz weit vorn, allein schon durch den Bericht "Donald Duck und der goldene Helm". Der ist so aktuell wie nur was.
Ob ein literarisches Werk die Zeit überdauert, hängt nicht von seiner Leserschaft ab. Früher lasen Kinder seine Geschichten, heute Erwachsene. Selbst wenn er zeitweise vergessen wird (wenn die alten Donaldisten alle weggestorben sind), wird er mit Sicherheit wieder entdeckt werden. Barks' Kunst ist zeitlos, auch wenn sie von ihm selbst vielleicht für eine kindliche Leserschaft gedacht war.

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